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MELDUNG/026: Karl Jaspers-Gesamtausgabe - Vorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (idw)


Heidelberger Akademie der Wissenschaften - 08.11.2011

Neues Forschungsvorhaben der Heidelberger Akademie der Wissenschaften: Karl Jaspers-Gesamtausgabe

Neues Forschungsvorhaben: Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften startet 2012 an den Universitäten Heidelberg und Oldenburg eine kommentierte "Karl Jaspers-Gesamtausgabe"


Am 7. November 2011 wurde auf der "Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz" des Bundes und der Länder (GWK) in Berlin das Akademienprogramm 2012 der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften mit einem Etat von 54,4 Millionen Euro beschlossen. Das Akademienprogramm, das sich der Erschließung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes verpflichtet hat, ist das größte geisteswissenschaftliche Forschungsprogramm Deutschlands. Es wird von Bund und Ländern gemeinsam finanziert. Betreut werden die Forschungsvorhaben durch die acht deutschen Wissenschaftsakademien. Das Vorhaben "Karl Jaspers - Kommentierte Gesamtausgabe" ist eines von insgesamt neun für 2012 neu bewilligten und wird von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften betreut.

Karl Jaspers gehört neben Edmund Husserl, Martin Heidegger und Hans-Georg Gadamer zu den prägenden deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Am 23. Februar 1883 in Oldenburg geboren, studierte er zunächst Jurisprudenz in Heidelberg und München, anschließend Medizin in Berlin, Göttingen und Heidelberg. Seit 1908 war Jaspers in Heidelberg zunächst als Psychiater tätig, nach seiner Habilitation 1913 lehrte er an der Ruprecht-Karls-Universität - zuerst Psychologie, seit 1920 dann als Professor fürPhilosophie. Nach dem Ausschluss aus der Universitätsverwaltung (1933), der Zwangspensionierung (1937) und einem Publikationsverbot (1938) durch die Nationalsozialisten wurde Jaspers 1945 in seine Universitätsämter wieder eingesetzt. Überdies wirkte er als Mitglied im 13er-Ausschuss am Wiederaufbau der Universität mit. 1948 folgte er einem Ruf nach Basel, wo er 1969 starb. Nun kehrt er postum zurück: an seine erste akademische Wirkungsstätte nach Heidelberg und an den Ort seiner Kindheit und Jugend nach Oldenburg.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften beginnt 2012 ein groß angelegtes Editionsprojekt, nämlich die kommentierte Gesamtausgabe der Werke, des Nachlasses und der Briefe von Karl Jaspers in über 50 Bänden. Die auf 18 Jahre geplante Ausgabe wird in Kooperation mit der Baseler Karl-Jaspers-Stiftung an den Universitäten Heidelberg und Oldenburg erstellt. Das Vorhaben leiten die Heidelberger Professoren Thomas Fuchs (Psychiatrie/Philosophie) und Jens Halfwassen (Philosophie). Mitwirkende sind die Professoren der Philosophie, Anton Hügli (Basel), Kurt Salamun (Graz) und Reinhard Schulz (Oldenburg) sowie Dr. Dr. h. c. Hans Saner, der letzte persönliche Assistent von Karl Jaspers.

Die Herausgeber werden auf den im Deutschen Literaturarchiv Marbach verwahrten Nachlass und auf die in Oldenburg im künftigen Karl Jaspers-Haus untergebrachten über 11.000 Bände der Jasperschen Forschungsbibliothek zugreifen. Das Karl Jaspers-Haus in Oldenburg wird mit der Bibliothek exzellente Arbeitsbedingungen für externe Forscherinnen und Forscher sowie für die neu eingerichtete Heisenbergprofessur bieten. Während der Heidelberger Editionsschwerpunkt auf die klinischen und philosophischen Schriften gerichtet ist, stehen in Oldenburg in idealer Ergänzung zum Hannah-Arendt-Zentrum Jaspers' politische Schriften im Fokus des editorischen Interesses.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, gegründet 1909, ist die wissenschaftliche Akademie des Landes Baden-Württemberg und eine der acht deutschen Akademien der Wissenschaften. Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung verantwortet sie derzeit 21 Forschungsvorhaben, in denen etwa 230 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die rund 260 gewählten Mitglieder der Heidelberger Akademie treffen sich als herausragende Vertreter ihrer jeweiligen Disziplin regelmäßig zum fächerübergreifenden Gespräch, die Akademie veranstaltet wissenschaftliche Tagungen sowie öffentliche Vortragsreihen.

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung unter:
http://idw-online.de/de/institution298


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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft e. V. - idw - Pressemitteilung
Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Dr. Herbert von Bose, 08.11.2011
WWW: http://idw-online.de
E-Mail: service@idw-online.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 10. November 2011