Schattenblick → INFOPOOL → MEDIEN → FERNSEHEN


DOKUMENTATION/1718: ZDFzeit "Die Tricks der Lebensmittelindustrie", 2 Teile 11. und 18.02.2020 (ZDF)


ZDFzeit: Die Tricks der Lebensmittelindustrie
Zwei neue Folgen
Dienstag, 11. und 18. Februar 2020, 20.15 Uhr

Inhalt:
– Sendetermine und Stab
– Die Tricks der Lebensmittelindustrie – Turbo-Chips, Veggie-Burger & Co.
– Die Tricks der Lebensmittelindustrie – Schummel-Vollkorn, Pflanzendrinks & Co.
– Die Tricks der Lebensmittelindustrie – Die bisherigen "ZDFzeit"-Dokus
– Infos zur "ZDFzeit"


Dienstag, 11. Februar 2020, 20.15 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Die Tricks der Lebensmittelindustrie
Turbo-Chips, Veggie-Burger & Co.

Film von Christina Gantner

Dienstag, 18. Februar 2020, 20.15 Uhr ZDF
Mittwoch, 19. Februar 2020, 1.30 Uhr, ZDF
ZDFzeit: Die Tricks der Lebensmittelindustrie
Schummel-Vollkorn, Pflanzendrinks & Co.

Film von Christina Gantner

Kamera: Björn Schneider, Lars Schwellnuss, Nikolai Trawinski, Christian Trieloff
Schnitt: Patrick Basedow
Produktion: Storyhouse
Redaktion: Michael Gries
Leitung der Redaktion: Ursula Schmidt
Länge: 2 x ca. 43 Minuten

*

Die Tricks der Lebensmittelindustrie – Turbo-Chips, Veggie-Burger & Co.

Ob herzhaft, fruchtig oder cremig: Lebensmittel-Experte Sebastian Lege verblüfft mit Einblicken in die Trickkiste der Industrie – von profitablen Knabber-Snacks bis zur fiesen Protein-Masche.

Die erstaunlichen Verfahren zur Optimierung des Gewinns demonstriert Lege mal in seiner "Food-Werkstatt", mal vor Ort bei Herstellern. Und wie immer stellt er Testesser auf die Probe: Wie leicht lassen sich die Sinne täuschen?


Turbo-Chips

Ein Verfahren aus der Kunststoff-Industrie sorgt für Riesenprofite mit Knabber-Snacks. Ob Paprika-Chips, Erdnuss-Flips oder Zwiebelringe: Viele Formen – wenig Zutaten. Dazu wird eine Teigmixtur durch eine enge Röhre gepresst. Eine Stahlschablone verleiht den Teilchen dann die charakteristische Form: Flip, Ring, Bärchen! Duft und Geschmack kommen erst anschließend – aus der Retorte. Für die Industrie ein gutes Geschäft, denn sie kann aus günstigsten Zutaten unterschiedliche Lebensmittel herstellen, die trotzdem enorme Gewinne abwerfen.

Wenn Lege in seiner Werkstatt vorführt, aus wie wenig Ausgangsmasse man welche Mengen Produkt herstellen kann, ist das für viele Zuschauer überraschend. Mithilfe des Extruder-Verfahrens wurden früher eigentlich Plastikteile hergestellt – millionenfach im Sekundentakt. Doch auch die Lebensmittelindustrie nutzt die Technik für ihre Kreationen, darunter auch Trend-Nahrungsmittel aus Quinoa und eigens designte Müsli-Komponenten.

Ob eine Ernährungsweise, die gezielt auf Protein – also eiweißreiche Lebensmittel – setzt, wirklich gesünder ist, das ist zwar fraglich, aber der Trend ist unübersehbar. In den Kühlregalen der Supermärkte werben Drinks und Quarks durch entsprechendes Produktdesign nun gezielt um gesundheitsbewusste und fitnessbegeisterte Kunden. Allerdings unterscheiden sich viele Produkte, die mit hohem Proteingehalt werben und dafür hohe Preise verlangen, nicht von herkömmlichen Produkten wie Joghurts oder Quark. In manchen Fällen des Vergleichstests lag der Proteingehalt sogar unter dem des günstigeren Normalprodukts vom selben Hersteller.


Veggie-Burger

"Beyond Meat" lautet das Zauberwort, bei dem die Fast-Food-Branche leuchtende Augen bekommt. Der vegetarische Hackfleischersatz kommt auch bei Flexitariern an, also Menschen, die gern Fleisch essen, aber zugunsten tierfreier Varianten zumindest teilweise darauf verzichten. Sie machen die Haupt-Zielgruppe aus, auf die die Lebensmittelindustrie hofft, denn hier geht es um weltweit Hunderte Millionen zahlungskräftige Kunden in reichen Industrienationen. In seiner Werkstatt demonstriert Produktentwickler Sebastian Lege, mit welchen Tricks die Veggie-Burger das Original aus Fleisch kopieren und wie verblüffend einfach manche Lösung erscheint: Beim Beyond-Meat-Burger zum Beispiel sorgt Rote Bete für den Eindruck von leicht blutigem Rinderhack. Ob das auch bei Leges Testessern ankommt?


Birkenzucker

Süßes essen, ohne dabei Übergewicht, Diabetesrisiko und Karies fürchten zu müssen – davon träumen viele. Doch die meisten künstlichen Süßstoffe haben einen unangenehmen Beigeschmack, sind bei selbst gemachten Speisen und Getränken schlecht zu dosieren – und allein ihre Namen wie Aspartam, Acesulfam oder Sacharin klingen schon abschreckend. Ganz anders scheint da der neueste Trend: Birkenzucker – aus natürlichen Rohstoffen hergestellt, kristallin wie normaler Zucker, geschmacklich neutral, aber mit 40 Prozent weniger Kalorien als herkömmlicher Zucker. Anfangs eher etwas für Bioladen und Reformhaus, hat das vermeintliche Birkenprodukt inzwischen die Supermärkte und Discounter erobert. Dass er knapp siebenmal so teuer ist wie Zucker scheint ebenso wenig abzuschrecken wie die verwirrenden Namensvarianten, zum Beispiel Xylit oder Xucker. Sebastian Lege deckt auf, welches Naturprodukt wirklich drinsteckt: keine Birke, sondern Abfälle aus dem Mais-Anbau. Und beim Herstellungsverfahren werden alle Register der Lebensmittelchemie gezogen.


Milchpulver

Ein Großteil der Milch, die deutsche Bauern erzeugen, wird weder in flüssiger Form verkauft noch als traditionelles Milchprodukt. Stattdessen wird sie in ihre wertvollen Bestandteile – Milchfett, Milchzucker und Protein – aufgespalten und auf den internationalen Börsen gehandelt. Deutsches Milchpulver ist ein Exportschlager bis nach China. Möglich macht das erst die sogenannte Sprühtrocknung. Lebensmitteln das Wasser zu entziehen, hat viele Vorteile: Sie werden leichter und kompakt, sodass Transport und Lagerung einfacher werden. Sie werden haltbarer und weniger empfindlich gegenüber Keimen. All das macht Trocknungsverfahren in der Lebensmittelindustrie unverzichtbar.

Unterschiedlichste flüssige Lebensmittel wie Säfte, Suppen oder Soßen werden mit Hochdruck durch Düsen gepresst und fein zerstäubt. Weil weder große Hitze noch Chemie zum Einsatz kommen, schont das Verfahren auch die Zutaten. In einem eindrucksvollen Experiment zeigt Lege anhand von Magermilch, wie durch Sprühtrocknung ein Rohstoff für den Weltmarkt entsteht. Doch er spürt auch der Frage nach, wo die Allround-Zutat Magermilchpulver ganz dreist eingesetzt wird, um an hochwertigeren Rostoffen zu sparen – auch solchen, in die eigentlich gar keine Milch hineingehört.

*

Die Tricks der Lebensmittelindustrie – Schummel-Vollkorn, Pflanzendrinks & Co.

Ob ballaststoffreich oder kalorienarm, laktosefrei oder bio: Die Lebensmittelindustrie hat für jeden Kundenwunsch etwas im Angebot – und Sebastian Lege weiß, welche Tricks sie dabei benutzt. Einmal mehr verblüfft der Produktentwickler mit Einblicken ins Waffenarsenal der Profitjäger. Und er sucht den direkten Kontakt zum Verbraucher und gibt Tipps, worauf jeder beim Einkauf achten kann. Neu dabei: Do-it-yourself-Tipps – bei den beliebten Milchersatz-Produkten zum Beispiel sahnt die Industrie kräftig ab, obwohl man etwa Soja- oder Mandelmilch aus günstigen Zutaten schnell und einfach selbst machen kann.


Faser-Dip

Sahnig, cremig, körnig, käsig: Die Konsistenz ist bei Lebensmitteln oft ein entscheidender Genussfaktor – Experten sprechen vom "Mundgefühl". In immer mehr Produkten aber täuschen Pflanzenfasern hochwertigere Zutaten vor – etwa in Frischkäse, Tortellini oder Wurst. Wie das funktioniert, zeigt Sebastian Lege am Beispiel von Kichererbsen-Dip. Traditionell erhält Hummus seine typische Konsistenz durch Zutaten wie Sesampaste und Olivenöl. Pflanzenfasern gehören aber inzwischen – ähnlich wie Gelatine oder Kartoffelstärke – zur Allzweckwaffe der Industrie. Sebastian Lege demonstriert in seiner Werkstatt, wie die Billig-Alternativen für schön viel Volumen sorgen und so hochwertige Zutaten eingespart werden.


Fake-Vollkorn

Auch beim nächsten Trick muss man als Verbraucher ganz genau hinschauen: Woran erkennt man eigentlich Vollkorn-Produkte? Die meisten achten vor allem auf eine dunklere Farbe des Teiges. Doch da setzt die Backwarenbranche an und färbt einfach hellen Teig dunkel. Der Farbstoff ist Malz, hergestellt aus Gerste, ebenfalls ein Getreide, und so fällt das Ganze auf der Zutatenliste nicht auf. Vorteil für die Bäcker: Gefärbtes Feinmehl ist viel einfacher und lukrativer zu verarbeiten als Vollkornschrot. Brote und Brötchen werden in vielen Supermärkten und Discountern auf "Vollkorn" gefärbt, damit Kunden höhere Preise dafür bezahlen – ohne dafür den Mehrwert echter Vollkorn-Produkte zu erhalten. Eine weitverbreitete Verbrauchertäuschung.


Mangos ohne saisonale Schwankungen

Vollreife Mangos waren früher ein Luxusobjekt, doch inzwischen gibt es die aromatischen Tropenfrüchte selbst beim Discounter zum erstaunlich günstigen Preis. Möglich ist das nur durch eine Logistik, die jede Beschädigung der Früchte auf ihrer Reise aus den tropischen Erzeugerländern nach Deutschland vermeidet. Und das bei riesigen Transportmengen. Noch besser: Saisonale Schwankungen im Angebot soll der Kunde nicht merken. Der Trick dabei: Spezielle Gase steuern ganz nach Bedarf den Reifeprozess. Wie das funktioniert, demonstriert Sebastian Lege beim Besuch eines Großbetriebes für Obstbehandlung. Dort werden Mangos sogar punktgenau den Wünschen der jeweiligen Supermarkt-Ketten entsprechend vorgereift. "ZDFzeit" fragt kritisch nach: Leidet die Qualität dabei? Sind die Gase umwelt- oder gesundheitsschädlich? Und wie wirkt sich der Chemie-Trick auf die Ökobilanz der Fernimporte aus?


Vegane Milch

Der Vegan-Trend ist unaufhaltsam, auch die Furcht etlicher Verbraucher vor Laktose-Unverträglichkeit spielt dabei eine Rolle – und von beidem profitieren Anbieter von Milch-Ersatzprodukten. Ob aus Reis, Sojabohnen, Mandeln, Nüssen oder Hafer – vegane Alternativen zu Kuhmilch gibt es viele. Lebensmittel-Entwickler Sebastian Lege demonstriert in seiner Werkstatt, wie einfach die Rezepte und wie preiswert die Zutaten sind, aus denen solche Produkte hergestellt werden. Jeder Zuschauer kann sie nachmachen – und dabei eine Menge Geld sparen, wie ein Vergleich der Herstellungskosten und der Verkaufspreise verdeutlicht. Besonders, wenn die vegane Milch auch noch zum Aufschäumen für den Latte Macchiato geeignet sein soll, langen die Hersteller ordentlich hin. Wie erklärt die Industrie die extreme Gewinnspanne? Sebastian Lege besucht einen Großproduzenten für Hafermilch und hakt nach.

*

Die Tricks der Lebensmittelindustrie – Die bisherigen "ZDFzeit"-Dokus
  • Die Tricks der Lebensmittelindustrie (02.02.2016)
  • Die Tricks der Lebensmittelindustrie: Turbo-Salam-i, Tütensuppen & Co. (17.01.2017)
  • Die Tricks der Lebensmittelindustrie: Light-Produkte, Veggie-Wurst & Co. (24.01.2017)
  • Die Tricks der Lebensmittelindustrie: Fertiggerichte, Pausensnacks & Co. (16.01.2018)
  • Die Tricks der Lebensmittelindustrie: Backwaren, Fruchtsäfte & Co. (13.02.2018)
  • Die Tricks der Lebensmittelindustrie: Tütensuppen, Kochschinken und Co. (22.01.2019)
  • Die Tricks der Lebensmittelindustrie: Hackfleisch, Wackelpudding und Co. (29.01.2019)

Infos zu Sebastian Lege

In bisher sieben "ZDFzeit"-Dokumentationen informierte Sebastian Lege die Zuschauer bereits über "Die Tricks der Lebensmittelindustrie". Nach der ersten Folge im Februar 2016 folgten zwei Dokumentationen im Januar 2017, zwei im Januar und Februar 2018 sowie zwei im Januar 2019. Dem interessierten Publikum war der ausgebildete Koch und ausgewiesene Lebensmittelfachmann bereits aus "ZDFzeit"-Sendungen mit Nelson Müller bekannt: Sebastian Lege, Jahrgang 1978, zählt zu den Food-Entertainern, die sich mit Leidenschaft für die Qualität von Lebensmitteln einsetzen und sich in der Zubereitung immer wieder auf die Suche nach der Verbesserung des sinnlichen Essgenusses macht. Der Lebensmittelentwickler war bereits als Küchenchef in namhaften Restaurants und Hotels tätig. Sebastian Lege bringt seine Grundüberzeugung, dass die Lebensmittel den elementaren Grundstock für leckeres Essen bilden, so auf den Punkt: "Nicht das simple Zusammenfügen einfacher Zutaten bereitet eine wohlschmeckende Mahlzeit. Es ist vielmehr eine Komposition aus Optik, Geruch, Akustik und Geschmack sowie Nostalgie, Emotionen und unsere Erinnerung, die jeder Einzelne damit verbindet. Die Kombination all dieser Elemente spiegelt die Wertschätzung und Freude am Essen wider und macht sie für jeden einzigartig."

*

Infos zur "ZDFzeit"

Auf dem Sendeplatz "ZDFzeit" sind dienstags um 20.15 Uhr große Primetime-Dokumentationen zu sehen. Neben investigativen, politischen und zeitgeschichtlichen Filmen werden dort auch verbrauchernahe Themen präsentiert – zum Beispiel an den Dienstagen, 14. und 21. Januar 2020, jeweils um 20.15 Uhr, mit zwei Folgen von "Nelson Müllers Lebensmittelreport"

"ZDFzeit" bietet seit Januar 2012 jährlich rund 35 Produktionen auf dem Sendeplatz am Dienstagabend.  

– Änderungen und Ergänzungen vorbehalten –
 

*


Quelle:
ZDF – Zweites Deutsches Fernsehen
Presse Special – Februar 2020
Copyrights by ZDF
Internet: www.zdf.de


veröffentlicht im Schattenblick zum 8. Februar 2020

Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang