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ORF - ORF1/1149: Woche vom 13.06. bis 19.06.2020


Radioprogramm ORF1 – 25. Woche vom 13.06. bis 19.06.2020


Samstag, 13. Juni 2020


06:00 Nachrichten


06:05 Guten Morgen Österreich


06:30 Uhr Nachrichten


06:56 Gedanken für den Tag
"Menschen. Bloße Menschen." Zum 150. Todestag von Charles Dickens Gedanken der Literaturkritikerin, Buchautorin und Feuilletonchefin der Wochenzeitung "Die Furche", Brigitte Schwens-Harrant

Seine Leserinnen und Leser lebten mit den von ihm erfundenen Figuren mit und warteten ungeduldig auf die in Zeitschriften abgedruckten Fortsetzungen seiner Romane: Charles Dickens (1812 – 1870) war ein Starautor seiner Zeit, geschäftstüchtig zudem. Er wusste auch seine Lesungen bestens zu inszenieren. Doch was Dickens erzählte, leuchtete die dunklen Seiten der viktorianischen Gesellschaft aus: Er brachte mit seinen Texten soziales und ökonomisches Elend ans Licht der Öffentlichkeit, thematisierte Arbeitsgesetze ebenso wie die Rechtsprechung, und immer wieder die Kinderarbeit, die auch sein eigenes Leben prägte.

So fantastisch Charles Dickens' einzigartige Geschichten mit so unvergesslichen Figuren wie David Copperfield oder Oliver Twist auch anmuten, so realistisch und sozialkritisch sind und bleiben sie. Er selbst meinte einmal: "Man nehme dem Bischof seinen Ornat, dem Richter seine Perücke oder dem Kirchspieldiener seinen dreieckigen Hut, und was sind sie? Menschen – bloße Menschen! Würde, und bisweilen sogar Heiligkeit hängen mehr von Röcken und Westen ab, als viele Leute sich träumen lassen".

Gestaltung: Alexandra Manter


07:00 Ö1 Morgenjournal
mit Kultur aktuell


07:33 Guten Morgen Österreich


07:55 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


08:00 Ö1 Journal um acht


08:10 Ö1 heute


08:15 Pasticcio


08:55 Heimspiel


09:00 Nachrichten


09:05 Hörbilder
Vom Mut, die eigene Sehnsucht zu leben.
Geschichte einer Wandlung.
Von Christine Pramhas Diese Sendung wurde mit dem Prälat Leopold Ungar - Anerkennungspreis 2019 ausgezeichnet.

Auf dem Heimflug zu seiner Familie gerät Wolfgangs Flugzeug plötzlich in ernste Turbulenzen. Er fürchtet um sein Leben, in dieser Situation wird ihm klar, dass es jetzt nicht aus sein darf, er erkennt eine dramatische Wahrheit: "Ich habe mein Leben noch nicht gelebt. Meines nicht!" Seit seiner Kindheit hat Wolfgang sich bemüht anders zu sein, weniger "weibisch", männlich eben. Er hat versucht, Gefühle zu verdrängen, heimliche Sehnsüchte abzuschütteln, als Fremdes abzustoßen. Nicht er. Nicht sowas. Auch wenn das bedeutete, jahrelang ein Doppelleben zu führen, Scham als ständige Begleitung zu erleben.

"Ich kann so nicht weitermachen", dieser Satz ist der Beginn seiner Befreiung, aber für seine Frau der Beginn ihres Leidensweges. "Ich hätte die Kinder genommen und wäre weggerannt!", haben ihr die Freunde damals geraten. Sie aber bleibt. Mit großer Offenheit und Courage entwickelt sich die Geschichte einer Wandlung, die von allen Beteiligten viel Mut, Liebe und Respekt verlangt und zu erstaunlichen Reaktionen führt.

Technik: Otmar Bergsmann
Redaktion: Elisabeth Stratka


10:00 Nachrichten


10:05 Ö1 Klassik-Treffpunkt
Live aus dem Funkhaus in Wien. Gast: Kurt und Christa Schwertsik.
Präsentation: Helmut Jasbar

Kurt Schwertsik ist einer der bedeutendsten und meistgespielten österreichischen zeitgenössischen Komponisten, der demnächst seinen 85.Geburtstag feiert. Der "Ö1 Klassik-Treffpunkt" und Helmut Jasbar gratulieren schon im Vorfeld und lassen den Komponisten und Musikpädagogen als Gast selbst zu Wort kommen. Begleitet wird der Jubilar von seiner Gattin Christa, Partnerin nicht nur im Leben, sondern auch als Interpretin seiner Werke.

1935 in Wien geboren, studierte Kurt Schwertsik von 1949 bis 1957 an der Wiener Musikhochschule Horn und Komposition (bei Joseph Marx und Karl Schiske). Von 1955-1959 und von 1962-1968 spielte er als Hornist im Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester und von 1968-1989 bei den Wiener Symphonikern.

1966 begann seine pädagogische Tätigkeit mit einer Gastprofessur an der University of California, die er nützte, um die österreichische Musik der 1960er-Jahre in Amerika bekannt zu machen. 1979 wurde er Lehrbeauftragter für Komposition am Konservatorium der Stadt Wien, 1988 erhielt er eine Berufung als Professor im gleichen Fach an die Hochschule für Musik und darstellende Kunst, die er bis zu seiner Emeritierung 2003 innehatte.

Besonderes Interesse galt der Entwicklung der Neuen Musik und der seriellen Komposition, mit der sich Schwertsik bei den Darmstädter Ferienkursen beschäftigt hatte. Um Werke der Neuen Musik im damaligen Wiener Konzertleben präsentieren zu können, gründete Schwertsik gemeinsam mit Friedrich Cerha 1958 das Ensemble "die reihe", das für Jahrzehnte zu einem der führenden Ensembles für Neue Musik werden sollte. Zehn Jahre später entstand gemeinsam mit Heinz Karl Gruber und Otto M. Zykan ein weiteres Ensemble, dem Schwertsik den Namen "MOB art & tone ART" gab.

Als 2006 die Joseph-Marx-Gesellschaft ins Leben gerufen wurde, übernahm Kurt Schwertsik die Präsidentschaft, war Joseph Marx doch sein Kompositionslehrer gewesen.

Ein Schwerpunkt der Kompositionen Kurt Schwertsiks liegt in der Vokalmusik, viele seiner humorvollen und geistreichen diesbezüglichen Werke wurden von seiner Gattin Christa Schwertsik interpretiert. Sein Werk umfasst jedoch fast sämtliche musikalische Gattungen. Seine höchst individuelle, einprägsame, immer wieder feinsinnig-ironische Klangsprache hat ihn zu einem international bekannten und beliebten Künstler gemacht, der auch in Österreich mit vielen Ehrungen ausgezeichnet wurde.

Erleben Sie den Jubilar Kurt Schwertsik gemeinsam mit seiner Frau im Gespräch mit Helmut Jasbar live in ihrem Kultursender Ö1!


11:35 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


11:40 help – das Ö1 Konsumentenmagazin


12:00 Ö1 Mittagsjournal


12:56 Ö1 heute


13:00 Le week-end
Mit Elke Tschaikner und Christian Scheib


14:00 Ö1 Hörspiel
Schwerpunkt: Theater im Hörspiel
"Die Juden". Von Gotthold Ephraim Lessing.
Mit Michael Maertens, Cornelius Obonya, Peter Matic, Pippa Galli, Brigitte Karner, Karl Markovics und Thomas Mraz. Musik: Peter Kaizar, Toni Burger, Georg Mittermayr. Ton: Friedrich Trondl, Astrid Drechsler und Manuel Radinger.
Bearbeitung und Regie: Leonhard Koppelmann (ORF/NDR 2016)

Für Emanzipation, für Bildung und für allgemeine Menschenrechte – gegen Vorurteile und Diskriminierung, für religiöse Toleranz und für Humanität und für die Vernunft als Urteilsinstanz – das waren wesentliche Anliegen der "Aufklärung", und der deutsche Dichter Gotthold Ephraim Lessing war einer ihrer bedeutendsten Vertreter. In unserer Spezialreihe "Theater im Hörspiel" bringen wir "Die Juden", ein selten aufgeführtes Jugendwerk Lessings, ein, wie Lessing es nannte, "Lustspiel in einem Aufzuge".

Lessing thematisiert hier Antisemitismus und das Verhalten einem "Fremden" gegenüber. Dieses Theaterstück gilt als Vorstufe und komisches Gegenstück zu "Nathan der Weise". Während Lessings "Nathan der Weise" als großes ausladendes Ideendrama an Hand unterschiedlicher Religionen den Gedanken der Toleranz thematisiert, ist Lessings Jugendwerk "Die Juden" pointierter und kompakter.

Neu und kühn ist, wie der 20jährige Lessing seine Hauptfigur zeichnet, denn zum ersten Mal in der Geschichte des Theaters betritt die Figur eines positiv dargestellten Juden die Bühne. "Ich bin ein Jude" – dieser lapidare Satz, den der fremde Held der Geschichte, ein Reisender, gegen Ende sagt, kippt das vorgeblich lustig-feine Spiel um Identitäten in bittere Realität: "Ein Jude? Grausamer Zufall!" sagt der Baron und es wird klar, dass er seine Tochter einem Juden nicht zur Frau geben kann. Und Christoph, der Bedienstete des Reisenden, wirft diesem vor: "Sie sind ein Jude, und haben das Herz gehabt, einen ehrlichen Christen in ihre Dienste zu nehmen? Sie hätten mir dienen sollen. So wäre es nach der Bibel recht gewesen!"

Lessings Stück, geschrieben 1749, berichtet von einer bitteren Tatsache: Dass es gegen die Aufklärung und ihr Ziel, das allgemein Menschliche als Wesentliches unseres Seins zu verstehen, immer wieder Versuche gab und gibt, Differenzen zu konstruieren und zu behaupten.


15:00 Nachrichten


15:05 Apropos Klassik
mit Gerti Mittermeyer
Die Pianistin Sophie-Mayuko Vetter
Robert Schumann: Symphonische Etüden op.13 (Thema) mit nachgelassenen Etüden in Form von Variationen op. posth.
Johann Sebastian Bach/Ferruccio Busoni: Chaconne aus der Partita Nr. 2 in d-Moll BWV 1004 (Bearbeitung für Solo-Klavier)
Ludwig van Beethoven: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 6 in D-Dur (Fragment) und Konzert für Klavier und Orchester in Es-Dur WoO 4 "Nulltes Klavierkonzert"

Mit Salzburg ist die Pianistin Sophie-Mayuko Vetter seit ihrer Kindheit eng verbunden: bei den dortigen Festspielen hat sie im Jahr 2005 das ihr zugeeignete Klavierkonzert "Prospero's Epilogue" von Claus Steffen Mahnkopf zusammen mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Johannes Kalitzke aus der Taufe gehoben.

Vier Jahre später gab sie einen Soloabend im ORF Landesstudio Salzburg; damals hatte Sophie-Mayuko Vetter Schumanns Opus 13 auf dem Programm, aber nicht seine "Symphonischen Etüden" selbst, sondern die fünf im Anhang erschienenen Etüden in Form von Variationen.

Der Künstlerin zu eigen ist ihre Suche nach Unveröffentlichtem, Seltenem, kaum bis noch nie Gehörtem. Jüngst hat sie die Ersteinspielung von Ludwig van Beethovens Fragment seines 6. Klavierkonzerts herausgebracht, und es einem ganz frühen Klavierkonzert des "Jahres-Jubilars", das als sein "Nulltes" bezeichnet wird, gegenübergestellt.


16:57 Ö1 heute


17:00 Nachrichten


17:05 Diagonal
Der ökonomische Seismologe – Diagonal zur Person Thomas Piketty

Anschließend: Diagonals Feiner Musiksalon

2013 schrieb Thomas Piketty, Professor für Volkswirtschaft an der Paris School of Economics, den Weltbestseller "Das Kapital im 21.Jahrhundert". Seine These: Ungleichheit sei kein zufälliges, sondern ein notwendiges Merkmal des Kapitalismus, und nur indem man ihn einschränke, lasse sich Ungleichheit bekämpfen. Mit Zahlen, Tabellen und fast 800 Seiten Analyse erbringt Piketty den Nachweis, wie das Vermögen der Vermögenden wächst – seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Damals untersuchte er vor allem europäische Länder, wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Der Reichtum sei nicht nur verteilt wie vor dem Ersten Weltkrieg, so der Ökonom, heutige Gesellschaften würden verkrusten durch die Dominanz von ererbtem gegenüber erarbeiteten Vermögen. Werde ein solch exzessiver Kapitalismus nicht reformiert, sei die Demokratie gefährdet.

Mit seinem neuen, 1.300-seitigen Werk "Kapital und Ideologie", das er kürzlich in der Wiener Arbeiterkammer präsentierte, legt Thomas Piketty eine Globalgeschichte der sozialen Ungleichheit und ihrer Ursachen vor. Diesmal stützt er sich auf weltweite Daten und positioniert sich deutlicher. Er kritisiert die gegenwärtige Politik und entwirft, wie er findet, ein "gerechteres" ökonomisches System. Denn: Markt, Profit und Kapital seien von Menschen gemacht und der Kapitalismus kein Naturgesetz.

Präsentation: Andrea Hauer


19:00 Nachrichten


19:05 Logos – Glauben und Zweifeln
"Die infizierte Gesellschaft".

Wann ist es sinnvoll Opfer zu bringen und wo hat das seine Grenzen? Zeiten der Krise sind auch Zeiten, auf die Menschen mit ganz unterschiedlichen Reaktionsmustern antworten. Im ersten Schock entsteht verständlicherweise ein großes Bedürfnis nach Sicherheit, Orientierung und Führung. Die meisten Menschen tendieren dazu, ihre autonomen Freiheiten und ihre kritische Haltung zu opfern und sich widerstandslos den von der Regierung, Gesundheitsbehörden und der Exekutive angeordneten Einschränkungen der Bürgerrechte zu beugen. Die von oben verordneten Zwangsmaßnahmen werden gegen das Versprechen einer am Ende erlösenden Rettung eingetauscht. Das Motto lautet: Ich opfere und rette Leben. Das erscheint logisch und wird mit dem Gestus der Alternativlosigkeit vertreten. Kritik am Ausmaß und der Tragweite der Maßnahmen erscheint auf diesem Hintergrund als gemeingefährlich oder gar "Vaterlandsverrat". Wie schnell eine vernünftige Schutzhaltung pervertiert werden kann, zeigt sich, wenn jede Art von echtem, aber auch vermeintlichem Abweichlertum bestraft wird. Das geht in manchen Fällen bis zu einem gehässigen Denunziantentum von Aufpassern aus dem Volk, die von einem bekannten österreichischen Chefredakteur "Corona-Blockwarte" genannt werden.

Es geht also um die Frage der Güterabwägung und der Verhältnismäßigkeit. Ist Gesundheit immer und unter allen Umständen das Wichtigste? Müssen wir der Gesundheit alles opfern? Auch wenn es beispielsweise bedeutet, einsame, leidende und sterbende Menschen aufgrund von Besuchsbeschränkungen in ihren letzten Stunden allein zu lassen? Sollen wir unsere Privatsphäre opfern, indem wir im Namen der Gesundheit dem Staat erlauben, alle Bürgerinnen und Bürger per Handy-Tracking-Software zu überwachen? Wie lange sollen wir unsere sozialen Beziehungen, unsere öffentlichen kulturellen und religiösen Praktiken einschränken, weil auch nach dem Abflauen der Pandemie in Österreich ein Restrisiko lange nicht ausgeschlossen werden kann?

In Zeiten einer von Corona-Angst infizierten Gesellschaft geht LOGOS der Frage nach: Wann ist es sinnvoll Opfer zu bringen und wo hat das seine Grenzen?


19:30 Gaetano Donizetti: "La Favorita"
Mit Agnes Baltsa (Leonora di Guzman), Alfredo Kraus (Fernando), Paolo Gavanelli (Alfonso XI), Sona Ghazarian (Ines), Laszlo Polgar (Baldassare), u. a.
Chor der Wirtschaftsuniversität Wien, ORF Radio-Symphonieorchester Wien; Dirigent: Giuseppe Patané (aufgenommen am 05. Februar 1989 im Großen Saal des Wiener Konzerthauses)


22:00 Nachrichten


22:05 Nachtbilder – Poesie und Musik
"Die Distanz der Ufer". Von Barbara Pumhösel.
Gestaltung: Nikolaus Scholz
Redaktion: Edith-Ulla Gasser.

Flüsse winden sich durch Täler und Ebenen, sie winden sich durch die Zivilisation und die Geschichte, durch die Wirtschaft und die Politik. Flüsse sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere und sie haben auch in unserer Sprache Spuren hinterlassen. Ein Fluss hat keine klare Grenze und kein endgültiges, für immer vorgezeichnetes Flussbett, er geschieht immer neu und von Neuem. Die Lyrikerin Barbara Pumhösel nähert sich ihren Flüssen in einem vierteiligen Langgedicht, sie mäandert durch die Metaphern und macht das Wasser durch Sprache sinnlich erfahrbar.

Barbara Pumhösel wurde 1959 in Scheibbs geboren und lebt im italienischen Arnotal, sowie weiterhin auch in Niederösterreich. Sie hat neben verschiedenen Lyrikpublikationen zahlreiche italienischsprachige Kinderbücher veröffentlicht, und sie ist Übersetzerin u.a. von Nicola Pugliese und Marilina Giaquinta.


23:00 Nachrichten


23:03 Die Ö1 Jazznacht
Simone Kopmajer im Interview, Azar Lawrence Experience bei den INNtönen 2019

Zum nächtlichen Jazztalk lädt Verena Göltl heute die international gefragte Sängerin Simone Kopmajer ein, die mit ihrem aktuellen Doppelalbum "My Favourite Songs" so etwas wie ein "Best Of Kopmajer" kreiert hat. In Asien mischt Simone Kopmajer seit Jahren höchst erfolgreich die Jazzszene auf, in Österreich wollte man ihr heuer in der Wiener Staatsoper den roten Teppich ausrollen. Dort nämlich hätte die Stimme der steirischen Vokalistin im Rahmen des Jazzfests am 5. Juli erklingen sollen. Was die Absage und generell die Corona-Krise für die Musikerin bedeuten, über diese und andere Themen wird Kopmajer heute sprechen.

Der Konzert-Mitschnitt kommt diesmal direkt vom Bauernhof, nämlich von Paul Zauners INNtöne-Festival, wo am 9. Juni 2019 "The Azar Lawrence Experience" gastierte. Das exzellent besetzte Septett des US-amerikanischen Saxofonistenveterans Azar Lawrence, der in den Bands von Miles Davis und McCoy Tyner bekannt geworden ist, bringt die Essenz seiner Kompositionen rhythmisch wie melodisch furios und mitreißend auf den Punkt. Davon zeigte sich auch das INNtöne-Publikum begeistert.

Gestaltung: Verena Göltl

*

Sonntag, 14. Juni 2020


00:00 Nachrichten


00:05 Die Ö1 Jazznacht
(Fortsetzung) Simone Kopmajer im Interview, Azar Lawrence Experience bei den INNtönen 2019

01:00, 03:00 und 05:00 Uhr Nachrichten

Zum nächtlichen Jazztalk lädt Verena Göltl heute die international gefragte Sängerin Simone Kopmajer ein, die mit ihrem aktuellen Doppelalbum "My Favourite Songs" so etwas wie ein "Best Of Kopmajer" kreiert hat. In Asien mischt Simone Kopmajer seit Jahren höchst erfolgreich die Jazzszene auf, in Österreich wollte man ihr heuer in der Wiener Staatsoper den roten Teppich ausrollen. Dort nämlich hätte die Stimme der steirischen Vokalistin im Rahmen des Jazzfests am 5. Juli erklingen sollen. Was die Absage und generell die Corona-Krise für die Musikerin bedeuten, über diese und andere Themen wird Kopmajer heute sprechen.

Der Konzert-Mitschnitt kommt diesmal direkt vom Bauernhof, nämlich von Paul Zauners INNtöne-Festival, wo am 9. Juni 2019 "The Azar Lawrence Experience" gastierte. Das exzellent besetzte Septett des US-amerikanischen Saxofonistenveterans Azar Lawrence, der in den Bands von Miles Davis und McCoy Tyner bekannt geworden ist, bringt die Essenz seiner Kompositionen rhythmisch wie melodisch furios und mitreißend auf den Punkt. Davon zeigte sich auch das INNtöne-Publikum begeistert.

Gestaltung: Verena Göltl


06:00 Nachrichten


06:05 Guten Morgen Österreich


06:30 Uhr Nachrichten


06:55 Zwischenruf
von Sr. Karin Weiler, Caritas Socialis


07:00 Nachrichten


07:05 Lebenskunst – Begegnungen am Sonntagmorgen
Lebensweisen – Glaubenswelten. Ein Panorama am Sonntagmorgen mit Reportagen und Berichten aus der Welt der Religion und Religionen


08:00 Ö1 Journal um acht


08:10 Ö1 heute


08:15 Du holde Kunst
"Man wollte oft, was Liebe sei, verkünden". Italienische Liebesgedichte aus acht Jahrhunderten. Es liest Cornelius Obonya.

In der zweiten Sendung der kleinen Italien-Reihe kommen die italienischen Dichter zu Wort. Dieses kreist um die Liebe: ihre Wesenlosigkeit bei Dante, ihre Widersprüchlichkeit bei Petrarca, ihre Täuschung bei Boccaccio, ihre ins Schattendasein werfende Strahlkraft bei Michelangelo und ihre Mitleid erregende Beharrlichkeit bei Giovanni Prati.

Gedichte von den Genannten sowie von Lorenzo de Medici, Ugo Foscolo, Gabriele d´Annunzio und Mario Novaro. Übersetzungen: Richard Zoozmann, Günther von Noé und Rainer Maria Rilke. Dazu Musik von Giacomo Puccini, Saverio Mercadante, Gaetano Donizetti und Gioachino Rossini.

Gestaltung: Edith Vukan und Michael Blees. Redaktion: Gudrun Hamböck.


09:00 Nachrichten


09:05 Gedanken
Die Dressur des weiblichen Körpers – Die international gefeierte österreichische Tänzerin und Choreographin Florentina Holzinger rebelliert mit ihren Stücken gegen das traditionelle Frauenbild im Tanz

Beeinflusst von der radikalen Performance-Kunst der 1960er Jahre und als Fan von Trash und Pop hat sie an der School for New Dance Development in Amsterdam Choreografie studiert und gilt als internationaler Nachwuchsstar in der Tanzszene. Nicht selten warnen die Veranstalter schon im Programmheft, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer, aufgrund verstört werden könnten von Holzingers (kunst)blutigen Shows. Provokant hat die Künstlerin auch das klassische Ballett "Apollon musagète" von Igor Strawinsky in eine seltsame Freakshow mit akrobatischer Ekstase verwandelt. Dafür wurde sie 2018 für den Nestroypreis nominiert.

Ihr neuestes Stück nennt die 34-jährige Extremperformerin schlicht "Tanz". Nackt balanciert da etwa eine muskulöse Frau das Motorrad in der Luft. Die Inspiration für das blutige Hexenkesseltreiben auf der Bühne speist sich aus dem klassischen Ballett Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Spitzentanz wurde mit dem romantischen Stück "La Sylphide" in Paris salonfähig und wohl auch Tortur so mancher Ballerina durch ihre Choreographie-Meister. Wie so oft überrascht Holzinger mit Witz, Anarchie und Splatter-Elementen – diesmal als Referenz auf Dario Argentos Horrorfilm-Klassiker "Suspiria". "Tanz" ist der letzte Teil von Holzingers Trilogie über den Körper als Spektakel und dessen Disziplinierung.

Holzinger liebt es zu boxen. Den durchtrainierten weiblichen Körper möchte sie auf der Bühne transparent halten und seine Grenzen mit ihrer Frauentruppe austesten. Politisch und feministisch will sie aber vor allem unterhalten mit ihrer Kunst. Florentina Holzinger kämpft gegen Sexismus in der Tanzszene und auch dafür, dass der Gender Pay Gap in der Kulturszene schleunigst kleiner werden soll.

Gestaltung: Petra Erdmann


10:00 Nachrichten


10:05 Ambiente – von der Kunst des Reisens
Wohin die Reise in Zeiten von Isolation, Ausgangsbeschränkungen und Abstandhalten gehen kann

Das Jahr 2020 wird allen in Erinnerung bleiben, soviel steht jetzt schon fest. Der Frühling war einer wie wir ihn alle noch nie erlebt haben und wohl auch den Sommer werden die meisten so verbringen wie nie zuvor. Vermutlich werden kulturelle Großveranstaltungen nicht stattfinden. Wahrscheinlich werden die allermeisten Österreicher das Land nicht für eine Urlaubsreise verlassen können. Vielleicht werden auch keine ausländischen Gäste nach Österreich reisen dürfen. Eine Situation, die vor wenigen Monaten noch völlig undenkbar war. Wie gehen die Menschen mit diesen "Aussichten" um? Welche Strategien entwickeln Hoteliers, Kulturschaffende und Reisende in diesen ungewöhnlichen Zeiten? Diesen Fragen gehen Matthias Haydn, Petra Erdmann und Natasa Konopitzky kurz vor der üblichen Hauptreisezeit exemplarisch nach.

Redaktion: Matthias Haydn


11:00 Nachrichten


11:03 Matinee
Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Dirigent: Iván Fischer; Isabelle Faust, Violine; Tabea Zimmermann, Viola. Giaochino Rossini: Ouvertüre zu "L'Italiana in Algier" * Wolfgang Amadeus Mozart: a) Sinfonia concertante Es-Dur KV 364; b) Zugabe der Solistinnen: Andante cantabile aus dem Duo für Violine und Viola KV 424 * G. Rossini: Ouvertüre zu "La gazza ladra" * Joseph Haydn: Symphonie B-Dur Hob. I/102 (aufgenommen am 12. Dezember 2019 im Concertgebouw Amsterdam)


11:50 (in der Pause) Intermezzo – Künstlerinnen und Künstler im Gespräch


12:10 Matinee
Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Dirigent: Iván Fischer (aufgenommen am 12. Dezember 2019 im Concertgebouw Amsterdam)


12:56 Ö1 heute


13:00 Ö1 Sonntagsjournal


13:10 gehört.gewusst. Das Ö1 Quiz
Drei Kandidatinnen und Kandidaten aus ganz Österreich lösen mit Doris Glaser raffinierte Rätsel aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Dabei kann allwöchentlich ein Gutschein für den ORF-Shop im Wert von 150 Euro erspielt werden. Zur Auswahl stehen erlesene Hörbücher, Klassiker aus der Kabarett-Edition, Aufnahmen des Radiosymphonieorchesters, Raritäten aus der Edition "Alte Musik" u.v.m.

Außerdem erhält jede Kandidatin, jeder Kandidat, die Ö1 Club-Mitgliedschaft, ein Jahresabo des Klassik-Streaming-Portals fidelio und eine Grafik aus der Ö1 Talentebörse. Die Besten der Besten spielen in der nächsten Superchampions-Runde um eine Ö1 Kulturreise für zwei Personen nach Ägypten.

Wenn Sie selber mitspielen wollen, melden Sie sich an unter:
oe1.orf.at/quiz/anmeldung


14:00 Nachrichten


14:05 Menschenbilder
Vom Banat nach Berlin
Der Schriftsteller und Übersetzer Ernest Wichner

Ernest Wichner leitete von 2003 bis 2017 das Literaturhaus Berlin. Er erinnert sich an viele Begegnungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern. 2004 begleitete er Oskar Pastior und Herta Müller auf einer Reise in die Ukraine an die Orte jener Lage, in denen Pastior zwischen 1945 und 1949 als rumäniendeutscher Zwangsarbeiter inhaftiert war. Aus dieser Reise entstand Herta Müllers durch den Nobelpreis weltberühmter Roman "Atemschaukel".

Ernest Wichner erzählt in diesem "Menschenbild", wie er aus dem kleinen Dorf Guttenbrunn im rumänischen Banat, wo er 1952 geboren wurde, an das Nikolaus-Lenau-Lyzeum und dann an die Universität in Timisoara (Temeswar) kam. Dort war er Gründungsmitglied des Schriftstellerkreises "Aktionsgruppe Banat", der von 1972 bis 1975 bestand und vom Geheimdienst, der Securitate, scharf beobachtet und drangsaliert wurde. 1975 wurde seinem Ausreiseantrag stattgegeben und er konnte Germanistik und Politikwissenschaft in Berlin studieren.

Unter dem Titel "Ein Pronomen ist verhaftet worden" gab er Texte der "Aktionsgruppe Banat" heraus.

In den letzten Jahren hat Ernest Wichner wichtige Werke der rumänischen Literatur ins Deutsche übersetzt, zuletzt den Roman "Solenoid" von Mircea Cartarescu.

Im Mai wurde er mit einem der renommiertesten Übersetzerpreise ausgezeichnet, dem Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Gestaltung: Cornelius Hell


14:55 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


15:00 Nachrichten


15:05 Apropos Oper
Mit Michael Blees.
Erinnerungen statt einer Neuproduktion. Ausschnitte aus Giuseppe Verdis "Un ballo in maschera" in Live-Aufnahmen aus der Wiener Staatsoper, sowie aus der Metropolitan Opera von New York, der Mailänder Scala und dem Royal Opera House Covent Garden London. Mit Luciano Pavarotti, Piero Cappuccilli, Piotr Beczala, Krassimira Stoyanova, Carlo Bergonzi, Leonie Rysanek, Ettore Bastianini, Regina Resnik u. a.

Eine neue Produktion von Giuseppe Verdis Oper "Un ballo in maschera" hätte in diesem Monat als letzte Premiere der Direktionszeit von Dominique Meyer über die Bühne der Wiener Staatsoper gehen sollen, aber ähnlich wie zuvor eine neue "Cosi fan tutte" und eine Wiederaufnahme von "Wilhelm Tell" sind alle diese Projekte der allgemeinen Pandemie-bedingten Theatersperre zum Opfer gefallen. – Die nicht stattgefundene Neuproduktion – wir wollen sie zum Anlass nehmen, um dennoch an einige bedeutende Wiener Besetzungen in der Vergangenheit in dieser Verdi-Oper von 1859 zu erinnern, in Live-Mitschnitten aus Wien, aber auch – nicht jede Vorstellung ist in früheren Zeiten aufgezeichnet worden – aus anderen bedeutenden Opernzentren der Welt.


16:00 Ex libris
Bücher, Menschen, Themen
Moderation: Peter Zimmermann Mankind Murder Mystery

Abbas Khider: Palast der Miserablen, Roman, Hanser Verlag

Juri Andruchowytsch: Die Lieblinge der Justiz, Roman, Suhrkamp Verlag (Übersetzung: Sabine Stöhr)

Zsófia Bán: Weiter atmen, Erzählungen, Suhrkamp Verlag (Übersetzung: Terézia Mora)

Maxim Biller: Sieben Versuche zu lieben. Familiengeschichten, Kiepenheuer & Witsch Verlag

Andrea Camilleri: Kilometer 123, Roman, Kindler Verlag


16:55 Ö1 heute


17:00 Ö1 Journal um fünf


17:10 Spielräume Spezial
Die vielen Seiten des Herrn Papa

Bewundertes Vorbild, abwesender Schwerarbeiter, liebevoller Familienvater oder schweigender Tyrann: Die Rollen und Bilder von Vätern sind vielfältig und widersprüchlich, im Leben wie in der Musik. Väter fordern zur Auseinandersetzung heraus und zur Auflehnung, sie dienen als Reibebaum und Maßstab für die eigene Entwicklung, im Nachahmen wie in der Ablösung.

Von Daddys und ihren Eigenheiten berichten ebenso liebevoll-satirische Lieder wie nüchterne Bilanzen vom geglückten oder versäumten Leben. Ein Kapitel für sich sind die Verwicklungen der Papa-Tochter-Beziehung – für Söhne dagegen gehört die Rebellion gegen väterliche Herrschaft zum Standardrepertoire der (Post-)1960er.

Zärtliche, rebellische, melancholische, verschmitzte Lieder erzählen von ebenso unterschiedlichen Vätern.

Gestaltung: Johann Kneihs


17:55 Ö1 intro


18:00 Ö1 Abendjournal


18:15 Moment am Sonntag
Mein Garten – mein Glück

Die emotionalen Seiten des Gärtnerns Gartenmenschen haben das ganze Jahr über zu tun. Wenn sie nicht Krokusse setzen, Rosen schneiden und Schnecken jagen, dann planen, träumen, hoffen und bangen sie. Sie jubeln, granteln, staunen und mähen. Am eigenen Stück Erde wächst man, sagen Kenner. Ein Garten ist Versteck, Paradies und ein Ort der Gegenkraft.

Gespräche mit Gartenexistenzen, u.a. mit Edith und Augustine, die aus dem Bahnhof Kritzendorf zur Freude vieler Fahrgäste einen kleinen Gemeinschaftsgarten errichtet haben.

Gestaltung: Marie-Claire Messinger und Andrea Hauer


19:00 Nachrichten


19:05 Contra – Kabarett und Kleinkunst
Von der Ö1 Bühne beim Wiener Donauinselfest: ein Rückblick
Birgit Denk & die Novaks
"Ich wünsch mir zum Geburtstag einen Vorderzahn"
Gestaltung: Elisabeth Stratka

Dorfer hat frei Zum 26. Mal hätte Ö1 im Juni sein Kulturzelt beim Wiener Donauinselfest aufgeschlagen. Aufgrund der Corona-Krise wurde das traditionelle Open Air Festival in den September verlegt. CONTRA widmet seit Juni-Programm Kabarettisten und Entertainerinnen, die in den vergangenen Jahren im Ö1 Zelt zu Gast waren.

Beim Donauinselfest 2013 erfüllte sich die Sängerin Birgit Denk einen lange gehegten musikalischen Wunsch und brachte gemeinsam mit den "Novaks" Klassiker des Wienerliedes und des Schlagerrepertoires des letzten Jahrhunderts neu interpretiert auf die Bühne. Dafür wählte sie Lieder von Georg Kreisler, Hugo Wiener und Cissy Kraner, Helmut Qualtinger oder Hermann Leopoldi aus, die heute noch immer, oder schon wieder aktuell sind.

Angesichts der derzeit verordneten "Bühnenabstinenz" macht sich Alfred Dorfer Gedanken über das Leben des Kabarettisten abseits des Bühnenalltags. "Satire ist nichts für Stümper" meint Alfred Dorfer und nützt die Auszeit dafür, über sein Genres, dessen Protagonisten die Welt nachzudenken.


19:30 Ö1 Kunstsonntag: Überblick


19:33 Ö1 Kunstsonntag: Radiosession
Virtuelle Duos in Zeiten der Corona-Isolation

Derzeit entstehen allerorts Musikproduktionen unter ungewöhnlichen Umständen. Das Projekt "Alone Together" des Innsbrucker Pianisten Klemens "Klex" Wolf geht einen Schritt weiter und erhält dem gemeinsamen Musizieren an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten das wichtige Element der Spontaneität: Wolf nimmt allein am heimatlichen E-Flügel freie Improvisationen auf – einmal ruhig und entspannt, dann wieder exaltiert und experimentell.

Und er ermuntert im Anschluss ebenfalls in der Corona-Isolation ausharrende Musikerfreunde und – freundinnen dazu, in deren Eigenheim spontan darauf zu reagieren. Das Resultat: Duets never played. Und lebendige, unberechenbare Musik – wie heute im Dialog mit ausgewählten Musikerkolleg/innen und Gastgeber Helmut Jasbar demonstriert wird.

Gestaltung: Helmut Jasbar


20:15 Ö1 Kunstsonntag: Tonspuren
Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit. Der jüdisch-rumänische Dichter M. Blecher.
Feature von Johannes Gelich

Er gilt als der große Unbekannte der rumänischen Moderne: M. Blecher. Geboren 1909 im Nordosten Rumäniens, verbrachte der bereits mit 29 Jahren verstorbene Dichter den Großteil seines Erwachsenenlebens in Sanatorien. Der Sohn eines jüdischen Keramikwarenhändlers litt an Knochentuberkulose, einer Wirbelsäulenentzündung, die im fortgeschrittenen Stadium zu Knochenabbau führt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er nahezu unbeweglich in der immergleichen Position: Er lehnte ein Brett mit schräg angeschnittenen Stützbeinen gegen die Knie, las, schrieb und aß in der gleichen Stellung, in der er auch schlief. Versorgt mit Büchern und Post von führenden Schriftstellern und Philosophen, hielt er sich so über das intellektuelle Geschehen Europas auf dem Laufenden.

Auf diese Weise entstanden seine drei Prosawerke, von denen der 1936 erschienene Band "Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit" heute als Meilenstein der rumänischen literarischen Moderne gilt. In Ermangelung einer tatsächlich erlebten, ereignisreichen Wirklichkeit begeben sich Blechers Texte in immer wieder anhebenden introspektiven Gedankenströmen auf die Suche nach einer Wirklichkeit in den Erinnerungen, Empfindungen und der Sprache über den absterbenden Körper.

Völlig unsentimental und mit viel Sinn für die absurde Komik des menschlichen Verfalls erforscht der Dichter mit all seinen Sinnen den eigenen Körper und das eigene Leben wie eine labile Seelenlandschaft. Damit stellt er sich in die erste Reihe moderner literarischer Seelenforscher wie Proust oder Kafka.

Redaktion: Alfred Koch


21:00 Ö1 Kunstsonntag: Milestones
Meilenstein des modernen Klaviertrios: Chick Corea

Im Jahr 1968, als das Album "Now He Sings, Now He Sobs" des damals gerade 27-jährigen Pianisten Chick Corea veröffentlicht wird, erhält es in der US-amerikanischen Jazz-Zeitschrift "Down Beat" null Sterne. Zu sehr seiner Zeit voraus ist dieser zusammen mit dem Bassisten Miroslav Vitous und dem Schlagzeuger Roy Haynes aufgenommene Meilenstein des Pianotrios, der gekonnt zwischen Straight-Ahead-Jazz, abstrakten Improvisationen und impressionistischen Freiräumen pendelt. Aus heutiger Sicht indessen etabliert sich Chick Corea spätestens mit diesem Album als großartiger Komponist und kraftvoller Improvisator in der Jazzwelt.

Gestaltung: Klaus Wienerroither


21:40 Ö1 Kunstsonntag: Neue Texte
"Vier Uhr morgens" von Wolfgang Pollanz.
Gestaltung: Ilse Amenitsch


22:00 Nachrichten


22:05 Ö1 Kunstsonntag: Überblick


22:08 Ö1 Kunstsonntag: Zeit-Ton extended
Die Lieblingskompositionen von Johannes Maria Staud

Johannes Maria Staud gehört zu den international gefragtesten Komponierenden der jüngeren Generation. 2018 sorgte der Jarrell- und Kyburz-Schüler mit der ersten Uraufführung an der Wiener Staatsoper seit acht Jahren für große mediale Aufmerksamkeit. In einer vom Komponisten kuratierten Spielliste erkunden wir in diesem "Zeit-Ton extended" Stauds Klangkosmos mit eigenen Werken und Stücken, die ihn inspiriert haben.

Gestaltung: Rainer Elstner


22:55 Ö1 Kunstsonntag: ZOOM->In


23:00 Ö1 Kunstsonntag: Radiokunst – Kunstradio
Theater im Hörspiel
"Kaspar". Von Peter Handke.
Mit Helmut Wlasak, Dietlindt Haug, Ditha Schradi, Otto David und Dieter Dorner. Hörspielbearbeitung: Peter Handke. Regie: Rudolf Kautek (ORF Steiermark 1968)

Das 1968 in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann uraufgeführte Stück gilt als Klassiker des neuen, sprachskeptischen Theaters. Handke zeigt am Beispiel der Kunstfigur Kaspar den Mechanismus der Sprache als Methode erzieherischer Dressur. Schrittweise wird Kaspar durch die Behandlung seiner "Einsager" zum "Nachsager", bis er das Stadium der vollkommenen Anpassung erreicht hat.

Für den ORF hat Peter Handke 1968 eine Hörspielfassung seines Theaterstücks geschaffen. Handke: "Das Stück 'Kaspar' zeigt nicht, wie es wirklich ist oder wirklich war mit Kaspar Hauser. Es zeigt, was möglich ist mit jemandem. Es zeigt, wie jemand durch Sprechen zum Sprechen gebracht werden kann. Das Stück könnte auch 'Sprechfolterung' heißen. Die Stimmen, die auf den Helden einsprechen, sollten, obwohl in ihrem Sinn immer ganz verständlich, die Sprechweisen von Stimmen sein, bei denen auch in der Wirklichkeit ein technisches Medium zwischengeschaltet ist: Telefonstimmen, Radio- und Fernsehansagerstimmen, die Stimmen der Zeitansage im Telefon, die automatischen Antworttonbänder (Zugauskunft, bitte warten), die Sprechweisen von Fußballkommentatoren. Alle diese Sprechweisen können auf den Text angewendet werden, freilich nur so, dass durch sie der Sinn oder Unsinn des Eingesagten verdeutlicht wird. Kaspar hat keine Ähnlichkeit mit einem Spaßmacher."

*

Montag, 15. Juni 2020


00:00 Nachrichten


00:05 Du holde Kunst

(Wiederholung von 8:15 Uhr)


01:00 Nachrichten


01:03 Die Ö1 Klassiknacht

dazw. 3:00 Uhr Nachrichten


05:00 Nachrichten


05:03 Guten Morgen Österreich


06:00 Ö1 Frühjournal


06:10 Guten Morgen Österreich


06:56 Gedanken für den Tag
"Über die Entzauberung der modernen Welt". Anlässlich des 100. Todestages von Max Weber macht sich der evangelische Theologe Ulrich Körtner Gedanken über den Soziologen

Mit den Theorien, die er entwickelte und den Begriffen, die er prägte, hatte der Soziologe Max Weber, dessen Todestag sich am 14. Juni zum 100. Mal jährt, großen Einfluss nicht nur auf die Wirtschafts-, sondern auch auf die Religionssoziologie. So wird etwa seit seinem im Jahr 1919 gehaltenen und berühmtesten Vortrag "Politik als Beruf" zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterschieden. Doch auch Webers Thesen zum Verhältnis von Calvinismus und Kapitalismus, sowie von der Entzauberung der modernen Welt (Säkularisierungsthese) üben bis heute nachhaltige Wirkung aus.

Der evangelische Theologe Ulrich Körtner geht in seinen "Gedanken für den Tag" auch Webers "Polytheismus"-Konzept nach: Die Wiederkehr der Götter in Gestalt moderner Wertekonflikte. Webers Kritik an der Werteethik sei, so Körtner, gerade im Blick auf gegenwärtige Wertedebatten und den Ethikunterricht hoch aktuell.

Gestaltung: Alexandra Mantler


07:00 Ö1 Morgenjournal
mit Kultur aktuell


07:33 Guten Morgen Österreich


07:52 Leporello


08:00 Ö1 Journal um acht


08:20 Pasticcio


08:55 Vom Leben der Natur


09:00 Nachrichten


09:05 Radiokolleg – Globaler Ausnahmezustand
Wie ein Virus die Welt verändert (1).
Gestaltung: Margarete Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerald Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger

Ob in Wien, Chicago, Sao Paulo, Moskau, Istanbul oder Tel Aviv – global und beinahe gleichzeitig wurden überall auf der Welt drastische Maßnahmen gesetzt, die vor kurzem noch undenkbar waren. Der Kampf gegen die rasante Ausbreitung des neuartigen Corona Virus ist eine Zeitenwende, ein globaler Ausnahmezustand. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist die Welt so global und schnell zum Stillstand gekommen. Es ist die erste gemeinsame Erfahrung eines Ausnahmezustands, der in dieser globalen Gleichzeitigkeit erst recht die weltweiten Unterschiede und Ungleichheiten sichtbar macht.

Die erzwungene Immobilität, die "Wohnhaft", das Runterfahren der Wirtschaft auf ein Minimum, die Schließung der Schulen und Geschäfte, die Absage aller Veranstaltungen – hat in Wohlfahrtsstaaten andere Konsequenzen als in Staaten ohne sozialem Auffangnetz. Die Vollbremsung der Weltwirtschaft führt zur größten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression von 1929, so prognostiziert der IWF bereits im April. Wie lange die Rekonvaleszenz dieses schwer angeschlagenen Intensivpatienten dauern wird, ist zum derzeitigen Zeitpunkt reine Spekulation. Die Entwicklungs- und Schwellenländer sind jedenfalls besonders hart getroffen. Wo Menschen, von der Hand in den Mund leben, führt ein Lockdown zu Hungersnot.

Das Radiokolleg Spezial bringt von Montag bis Donnerstag die unterschiedlichen globalen Perspektiven in diesem Ausnahmezustand zu Gehör. Wir sammeln "Global Voices", die in kurzen Clips über Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen berichten. Da die Grenzen geschlossen sind und die räumliche Distanz oberstes Gebot ist, werden die Interviews aus der Ferne im Homeoffice aufgezeichnet. Und in Zeiten von Corona klingen alle Gesprächspartner/innen gleich, egal ob sie in Wien Neubau oder in New York City sitzen.

Ein Virus geht um die Welt und verändert unsere Sichtweisen. Im Radiokolleg Spezial verfolgen wir diese Fragen: Was unterscheidet diesen Ausnahmezustand von anderen Ausnahmezuständen? Erleben wir die Große Depression 2.0.? Ist Corona das Ende der globalisierten Wirtschaft? Menschenleben versus Lockdown -Ethik versus Wirtschaft? Führt COVID-19 zu einem Comeback des Nationalismus und was ist mit der EU? Grenzen zu - Datenschleuse auf? Ist die totale Überwachung der Preis für ein Minimum an Freiheit? Führt das Virus zu einem Ende der Massengesellschaft? Was folgt aus dem Digitalisierungsschub? Wir kriegen das hin – nach Corona auch den Klimawandel?


09:57 Ö1 heute


10:00 Nachrichten


10:05 Anklang
mit Helene Breisach
Der Wiener Violinist und Komponist Joseph Mayseder

Star-Virtuose Niccolò Paganini hat mit großer Hochachtung von ihm gesprochen – von Joseph Mayseder (1889 – 1863), einem Geiger und Komponisten aus Wien. Zu seinen Lebzeiten war er äußerst erfolgreich und hat unter anderem mit Haydn, Beethoven und Schubert zusammengearbeitet; er zählte zu den Mitgliedern der römischen Accademia di Santa Cecilia und war Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Mayseder war ab 1810 Konzertmeister des Wiener Hofopernorchester, ab 1816 Solist der Wiener Hofmusikkapelle und ab 1836 deren Leiter.

Viele seiner Werke – darunter Violinsonaten und Kammermusik mit Violine, aber auch Violinkonzerte – hat er für den eigenen Gebrauch verfasst. Für die Wiederentdeckung dieses Schaffens setzt sich seit Jahren Raimund Lissy, Geiger bei den Wiener Philharmonikern ein; eine von ihm initiierte CD-Edition mit Werken des einst berühmten, mittlerweile aber weitgehend vergessenen Musikers präsentiert Mayseder als erfindungsreichen Komponisten zwischen Virtuosität und Wiener Charme.


11:00 Nachrichten


11:05 Radiogeschichten
"Der Osten" von Andrzej Stasiuk. Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall.

Der polnische Autor Andrzej Stasiuk ist fast immer unterwegs. Jedenfalls handeln seine Bücher vom Unterwegssein, zumeist in Richtung Osten. Oder Südosten. Klassische Urlaubs- oder Bildungsreisedestinationen umgeht er in der Regel. Das ist auch so in seinem Buch, das schlicht mit "Der Osten" betitelt ist und sich Roman nennt, ohne einer zu sein. Darin beschreibt er nicht einfach eine weite Reise, das Buch ist vielmehr die Summe aller seiner Ost-Reisen.

Sie führt in das bisher von ihm gemiedene, so genannte "Reich der Wunder", nach Russland, dazu in die Tiefe der Zeit, den Sowjetkommunismus, und über die Ränder des einst als unendlich vorgestellten Reiches hinaus in die Mongolei und nach China. Es ist eine Reise in das Herz dessen, was von Europa aus als Osten gelten kann, versteht man ihn als mentalen, ideologischen, historischen Raum. Aber Russland steht im Zentrum: das zerfallene Imperium und das verwüstete und verheerte Leben.

Gestaltung: Peter Zimmermann


11:25 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


11:30 Des Cis
mit Marie-Theres Himmler.


11:57 Ö1 heute


12:00 Ö1 Mittagsjournal
mit Nachrichten in englischer Sprache


13:00 Punkt eins


13:55 Wissen aktuell


14:00 Nachrichten


14:05 Das Ö1 Konzert
Alte Musik im Konzert. Ensemble Voces Suaves; Jörg-Andreas Böttlicher, Orgel, Cembalo und Leitung. Werke von Bernardo Pasquini, Bonifazio Graziani, Giacomo Carissimi, Francesco Foggia, Giuseppe Corsi, Domenico Mazzocchi, u. a. (aufgenommen am 6. Juli 2019 in der Stiftskirche St. Severus in Boppard im Rahmen des Festivals "RheinVokal").
Präsentation: Jörg Duit


15:30 Moment


15:55 Rudi! Der rasende Radiohund


16:00 Nachrichten


16:05 Passagen
"Der werfe den ersten Stein": Mythologisch-philosophische Verdammungen Lesung mit Michael Köhlmeier und Konrad Paul Liessmann (Aufzeichnung aus dem Großen Sendesaal des RadioKulturhauses vom 18.9.2019)
Bearbeitung: Robert Weichinger

Agamemnon und Achill, Jesus und die Ehebrecherin, Othello und Desdemona: All diese Geschichten erzählen von dramatischen menschlichen Krisen – und sie liefern unterschiedliche Antworten auf die Frage, warum der Mensch sein Gegenüber vernichten möchte. Wer menschlicher Bosheit zum Opfer gefallen ist, dem bleibt als Befreiungsschlag oft nur die Verdammung des Gegners. Michael Köhlmeier erzählt von beispielhaften Verdammungen in Bibel, Märchen und Legenden, die Konrad Paul Liessmann philosophisch einordnet.


16:55 Digital.Leben


17:00 Ö1 Journal um fünf


17:09 Kulturjournal


17:30 Spielräume
Musik aus allen Richtungen mit Astrid Schwarz und Rainer Elstner.


17:55 Betrifft: Geschichte
Alltägliche Versorgung in Krisenzeiten. Mit Ernst Langthaler, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz und Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.
Gestaltung: Isabelle Engels

Die "Corona-Krise" führte gleich zu Beginn zu einem Phänomen, das als "Hamstern" bezeichnet wird: das Einkaufen von großen Mengen an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und sonstigen Bedarfsgegenständen aus Angst vor einem bevorstehenden Mangel. Diese Gefahr bestand hierzulande real nicht, doch sind "Panikkäufe" psychologisch verständlich.

Die ältere Generation und deren Eltern machten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch Erfahrung mit dem überlebensnotwendigen "Hamstern".

In den beiden Weltkriegen und den Nachkriegszeiten litten weite Teile der Bevölkerung in Österreich und Europa unter Nahrungsmittelknappheit, viele hungerten. Vor allem die Stadtbevölkerung war gezwungen, aufs Land zu fahren und bei den Bauern ihr Hab und Gut gegen Nahrung einzutauschen.

Neben dem "Hamstern" der Armen, gab es auch das "Hamstern" der Wohlhabenden, die reichlich Vorräte anlegten. Die "Hamsterwirtschaft" in Krisenzeiten wurde rasch zu einem Politikum ersten Ranges. So organisierten die Nationalsozialisten angesichts des Versorgungschaos' im Ersten Weltkrieg gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die staatliche Bewirtschaftung der Lebensmittel – freilich unter Ausbeutung der besetzten Gebiete.

Eine historische Betrachtung eines Begriffs, der bereits im 19. Jahrhundert parallel zur sich entwickelnden Konsumgesellschaft entstand und bis heute unterschiedliche Phänomene bezeichnet.


18:00 Ö1 Abendjournal


18:25 Journal-Panorama


18:55 Religion aktuell


19:00 Nachrichten


19:05 Dimensionen
Kollektive Anamnese
Krankheitsgeschichten aus dem 20. Jahrhundert
Von Hanna Ronzheimer

Nach dem 1. Weltkrieg war es die Spanische Grippe. Weltweit, so auch in Österreich, legte die mysteriöse Seuche das öffentliche Leben lahm, riss vor allem die mittlere Generation in den Tod. Auch den Maler Egon Schiele. Schulen, Kirchen und andere öffentliche Einrichtungen wurden auch damals geschlossen. In Wien und München waren derart viele Schaffner und Straßenbahnfahrer an Grippe erkrankt, dass der öffentliche Verkehr fast zum Erliegen kam.

Das Leben in der Zwischen- und Nachkriegszeit blieb geprägt von lebensgefährlichen und oft unheilbaren Krankheiten. – In "Menschenleben", einem Oral-History-Projekt der Österreichischen Mediathek, erinnern sich Österreicherinnen und Österreicher an eine Kindheit mit den gefürchteten Schwarzen Blattern, mit Tuberkulose und Kinderlähmung. Auch die Syphilis war noch bis in die Nachkriegszeit eine häufige Krankheit, die man tunlichst verschwieg.


19:30 On stage
Finnisch-österreichisches Gipfeltreffen der Metallzungen: Otto Lechner und Sväng

Das Aufeinandertreffen der finnischen Mundharmonika-Virtuosen von Sväng und Österreichs Akkordeonisten-Freigeist Otto Lechner bedeutete am 7. Juli 2019 den krönenden Abschluss des letztjähren Schrammelklang-Festivals im niederösterreichischen Litschau. Die Herren Eero Grundström, Eero Turkka, Jouko Kyhälä und Pasi Leino, die seit dem Abschluss ihres Studiums an der Sibelius-Akademie in Helsinki 2003 gemeinsame Sache machen, bestritten den ersten Teil des Konzerts im Litschauer Herrenseetheater – und konvenierten mit ausgefallenen Balkanmusik- und Tango-Paraphrasen sowie Bearbeitungen von Kompositionen John Williams' und Jean Sibelius'.

Im zweiten Set gab zunächst Otto Lechner eine Akkordeon-Solo-Bearbeitung von Joseph Haydns "Quintenquartett" zum Besten, ehe die fünf Musiker gemeinsam auf Basis u. a. der Lechner-Kompositionen "Ottos Box" und "Bosnia Suite" in gewitzter und mitreißender Weise zur Sache kamen.

Gestaltung: Marlene Schnedl


21:00 Ex libris
Bücher, Menschen, Themen


21:55 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


22:00 Ö1 Nachtjournal


22:08 Radiokolleg
Globaler Ausnahmezustand. Wie ein Virus die Welt verändert (1)
Gestaltung: Margarete Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerhard Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger


23:00 Nachrichten


23:03 Zeit-Ton
Zeit-Ton Porträt: Johannes Maria Staud. Komposition und Inspiration

Mehrere Werke des Tiroler Komponisten Johannes Maria Staud wurden in Salzburg uraufgeführt, wie z.B. das Cellokonzert "Segue" bei den Salzburger Festspielen 2006 durch Heinrich Schiff, das Werk "Fugu" vom Kinderorchester der Internationalen Stiftung Mozarteum während der Mozartwoche 2013 oder seine Sicht von Mozarts Fantasie in c-Moll KV 475, uraufgeführt durch die Wiener Philharmoniker unter Theodor Currentzis. Oftmals schöpft Staud aus verwandten Künsten seine Inspiration, literarische von Baudelaire, Nietzsche oder von der amerikanischen Dichterin Elizabeth Bishop, vom Film oder von der Bildnerischen Kunst, waren doch auch sein Großvater Josef Staud und dessen Bruder Bildhauer. In einem Anfang März geführten Interview erzählt Johannes Maria Staud von den Einflüssen auf sein musikalisches Schaffen. Zu hören sind die Werke "black moon", "Im Lichte" (Mozartwoche 2008) und "Wheat, not oats, dear. I'm afraid." (musikprotokoll 2015).

Gestaltung: Gerti Mittermeyer

*

Dienstag, 16. Juni 2020


00:00 Nachrichten


00:05 Anklang

(Wiederholung von 10:05 Uhr)


01:00 Nachrichten


01:03 Die Ö1 Klassiknacht
dazw. 03:00 Uhr Nachrichten


05:00 Nachrichten


05:03 Guten Morgen Österreich


06:00 Ö1 Frühjournal


06:10 Guten Morgen Österreich


06:56 Gedanken für den Tag
"Über die Entzauberung der modernen Welt". Anlässlich des 100. Todestages von Max Weber macht sich der evangelische Theologe Ulrich Körtner Gedanken über den Soziologen

Mit den Theorien, die er entwickelte und den Begriffen, die er prägte, hatte der Soziologe Max Weber, dessen Todestag sich am 14. Juni zum 100. Mal jährt, großen Einfluss nicht nur auf die Wirtschafts-, sondern auch auf die Religionssoziologie. So wird etwa seit seinem im Jahr 1919 gehaltenen und berühmtesten Vortrag "Politik als Beruf" zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterschieden. Doch auch Webers Thesen zum Verhältnis von Calvinismus und Kapitalismus, sowie von der Entzauberung der modernen Welt (Säkularisierungsthese) üben bis heute nachhaltige Wirkung aus.

Der evangelische Theologe Ulrich Körtner geht in seinen "Gedanken für den Tag" auch Webers "Polytheismus"-Konzept nach: Die Wiederkehr der Götter in Gestalt moderner Wertekonflikte. Webers Kritik an der Werteethik sei, so Körtner, gerade im Blick auf gegenwärtige Wertedebatten und den Ethikunterricht hoch aktuell.

Gestaltung: Alexandra Mantler


07:00 Ö1 Morgenjournal
mit Kultur aktuell


07:33 Guten Morgen Österreich


07:52 Leporello


08:00 Ö1 Journal um acht


08:20 Pasticcio


08:55 Vom Leben der Natur


09:00 Nachrichten


09:05 Radiokolleg – Globaler Ausnahmezustand
Wie ein Virus die Welt verändert (2).
Gestaltung: Margarete Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerald Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger

Ob in Wien, Chicago, Sao Paulo, Moskau, Istanbul oder Tel Aviv – global und beinahe gleichzeitig wurden überall auf der Welt drastische Maßnahmen gesetzt, die vor kurzem noch undenkbar waren. Der Kampf gegen die rasante Ausbreitung des neuartigen Corona Virus ist eine Zeitenwende, ein globaler Ausnahmezustand. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist die Welt so global und schnell zum Stillstand gekommen. Es ist die erste gemeinsame Erfahrung eines Ausnahmezustands, der in dieser globalen Gleichzeitigkeit erst recht die weltweiten Unterschiede und Ungleichheiten sichtbar macht.

Die erzwungene Immobilität, die "Wohnhaft", das Runterfahren der Wirtschaft auf ein Minimum, die Schließung der Schulen und Geschäfte, die Absage aller Veranstaltungen – hat in Wohlfahrtsstaaten andere Konsequenzen als in Staaten ohne sozialem Auffangnetz. Die Vollbremsung der Weltwirtschaft führt zur größten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression von 1929, so prognostiziert der IWF bereits im April. Wie lange die Rekonvaleszenz dieses schwer angeschlagenen Intensivpatienten dauern wird, ist zum derzeitigen Zeitpunkt reine Spekulation. Die Entwicklungs- und Schwellenländer sind jedenfalls besonders hart getroffen. Wo Menschen, von der Hand in den Mund leben, führt ein Lockdown zu Hungersnot.

Das Radiokolleg Spezial bringt von Montag bis Donnerstag die unterschiedlichen globalen Perspektiven in diesem Ausnahmezustand zu Gehör. Wir sammeln "Global Voices", die in kurzen Clips über Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen berichten. Da die Grenzen geschlossen sind und die räumliche Distanz oberstes Gebot ist, werden die Interviews aus der Ferne im Homeoffice aufgezeichnet. Und in Zeiten von Corona klingen alle Gesprächspartner/innen gleich, egal ob sie in Wien Neubau oder in New York City sitzen.

Ein Virus geht um die Welt und verändert unsere Sichtweisen. Im Radiokolleg Spezial verfolgen wir diese Fragen: Was unterscheidet diesen Ausnahmezustand von anderen Ausnahmezuständen? Erleben wir die Große Depression 2.0.? Ist Corona das Ende der globalisierten Wirtschaft? Menschenleben versus Lockdown -Ethik versus Wirtschaft? Führt COVID-19 zu einem Comeback des Nationalismus und was ist mit der EU? Grenzen zu - Datenschleuse auf? Ist die totale Überwachung der Preis für ein Minimum an Freiheit? Führt das Virus zu einem Ende der Massengesellschaft? Was folgt aus dem Digitalisierungsschub? Wir kriegen das hin – nach Corona auch den Klimawandel?


09:57 Ö1 heute


10:00 Nachrichten


10:05 Anklang
Mit Michael Blees.
Anmutige Mädchenhaftigkeit – Erinnerungen an die Sopranistin Erna Berger.
Ausschnitte aus Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Giuseppe Verdi, Richard Strauss, Giacomo Puccini, Friedrich von Flotow u.a.

Als die deutsche Sopranistin Erna Berger, in den 1930er und 1940er Jahren ein Star der Berliner Staatsoper, 1949 an der Metropolitan Opera in New York als Sophie im "Rosenkavalier" debütiert und im Jahr danach an der Seite des legendären Leonard Warren in einer Gesamtaufnahme von Giuseppe Verdis "Rigoletto" die Gilda gesungen hat, wurde von der Kritik ihr technisch hervorragend geführter, anmutig-mädchenhaft timbrierter Sopran hervorgehoben.

Die Sängerin aus Cossebaude bei Dresden war zu diesem Zeitpunkt fast 50 Jahre alt und hat bald darauf ihre Bühnenkarriere beendet. Was die Kritik so lobend erwähnt hat, war für die Berger selbst durchaus ein Problem: ihre ganze Karriere hindurch hat ihre Stimme eine glockige Leichtigkeit behalten – ideal für von ihr oft gesungene Partien wie Susanna, Sophie, Gilda, Ännchen oder Norina; aber sie hätte so gerne auch das große lyrische Fach übernommen, was ihr aber mit wenigen Ausnahmen versagt geblieben ist. Vor 30 Jahren ist Erna Berger hochbetagt verstorben, als Sängerin voller Seele und Süße ist sie dank zahlreicher Tondokumente in Erinnerung geblieben.


11:00 Nachrichten


11:05 Radiogeschichten
"Ein Fund". Von Nadine Gordimer. Aus dem Englischen von Stefanie Schaffer-de Vries. Es liest Peter Scholz

Am Strand seines Urlaubsortes siebt ein Mann vom Meer polierte Steine und andere Gegenstände durch seine Hände und findet eines Nachmittages einen Schatz. Die Suche nach der Besitzerin des teuren Ringes überlässt er nicht der Polizei, er gibt eine Annonce auf. Eigentlich wollte er, der Pech mit Frauen gehabt hatte, eine Weile allein leben, aber wenn die Stimme der angeblichen Besitzerin attraktiv und jung klingt, bestellt er sie in sein Hotel. Dabei ist es gar nicht so leicht, die Mädchen und Frauen, die fast alle an der Beschreibung des Ringes scheitern, wieder loszuwerden.

Nadine Gordimer wurde am 20. November 1923 in Springs/Transvaal bei Johannesburg als Tochter jüdischer Eltern geboren. Sie studierte Geisteswissenschaften und widmete sich dann ganz dem Schreiben. Gordimer beschrieb in ihren Romanen, Erzählungen und Essays immer wieder schwarze und weiße Opfer der südafrikanischen Apartheidpolitik.

Gordimer erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1974 den begehrten englischen Booker Prize und 1985 den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Darmstadt, 1991 wurde sie schließlich mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Mit ihrem Roman "Keine Zeit wie diese" (2012) lieferte die 2014 verstorbene Schriftstellerin eine Abrechnung mit den politischen Entwicklungen in Südafrika seit 1990.

Gestaltung: Stefanie Zussner


11:25 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


11:30 Des Cis
mit Andreas Maurer.


11:57 Ö1 heute


12:00 Ö1 Mittagsjournal
mit Nachrichten in englischer Sprache


13:00 Punkt eins


13:55 Wissen aktuell


14:00 Nachrichten


14:05 Das Ö1 Konzert
Gabriela Montero mit dem RSO Wien und Edvard Grieg, mit Kammermusik und mit eigenen Kompositionen. Ihr Live Publikum kann bei jedem ihrer Auftritte auch ihr "Instant-Komponieren" erwarten – Musik, die auf den Tag, die Stimmung, den Ort reagiert.
Gestaltung: Irene Suchy

Im Mai ist Gabriela Montero 50 Jahre alt geworden; die venezulanische Pianistin und Komponistin führt die Tradition des klassischen Improvisierens weiter, so wie sie die Komponisten der Wiener Klassik beherrschten. In ihren Konzerten bewältigt sie ein weites Repertoire, von der Kammermusik bis hin zum Orchesterkonzert.

Ihre Kunst ist auch ein politisches Statement, ihre Improvisation bezieht sich auf Musik und Wort – etwa Auftritte bei der Amtseinführung von Barack Obama und als Botschafterin von Amnesty International. Am 4. Dezember 2018 wurde sie mit dem 4. Internationalen Beethoven-Preis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion der Beethoven Academy ausgezeichnet "als Ehrung für ihr aktives gesellschaftliches und politisches Engagement".


15:30 Moment


15:55 Rudi! Der rasende Radiohund


16:00 Nachrichten


16:05 Tonspuren
Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit. Der jüdisch-rumänische Dichter M. Blecher.
Feature von Johannes Gelich

Er gilt als der große Unbekannte der rumänischen Moderne: M. Blecher. Geboren 1909 im Nordosten Rumäniens, verbrachte der bereits mit 29 Jahren verstorbene Dichter den Großteil seines Erwachsenenlebens in Sanatorien. Der Sohn eines jüdischen Keramikwarenhändlers litt an Knochentuberkulose, einer Wirbelsäulenentzündung, die im fortgeschrittenen Stadium zu Knochenabbau führt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er nahezu unbeweglich in der immergleichen Position: Er lehnte ein Brett mit schräg angeschnittenen Stützbeinen gegen die Knie, las, schrieb und aß in der gleichen Stellung, in der er auch schlief. Versorgt mit Büchern und Post von führenden Schriftstellern und Philosophen, hielt er sich so über das intellektuelle Geschehen Europas auf dem Laufenden.

Auf diese Weise entstanden seine drei Prosawerke, von denen der 1936 erschienene Band "Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit" heute als Meilenstein der rumänischen literarischen Moderne gilt. In Ermangelung einer tatsächlich erlebten, ereignisreichen Wirklichkeit begeben sich Blechers Texte in immer wieder anhebenden introspektiven Gedankenströmen auf die Suche nach einer Wirklichkeit in den Erinnerungen, Empfindungen und der Sprache über den absterbenden Körper.

Völlig unsentimental und mit viel Sinn für die absurde Komik des menschlichen Verfalls erforscht der Dichter mit all seinen Sinnen den eigenen Körper und das eigene Leben wie eine labile Seelenlandschaft. Damit stellt er sich in die erste Reihe moderner literarischer Seelenforscher wie Proust oder Kafka.

Redaktion: Alfred Koch


16:45 Heimspiel


16:55 Digital.Leben


17:00 Ö1 Journal um fünf


17:09 Kulturjournal


17:30 Spielräume
Musik aus allen Richtungen mit Albert Hosp.


17:55 Betrifft: Geschichte
Alltägliche Versorgung in Krisenzeiten. Mit Ernst Langthaler, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz und Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.
Gestaltung: Isabelle Engels

Die "Corona-Krise" führte gleich zu Beginn zu einem Phänomen, das als "Hamstern" bezeichnet wird: das Einkaufen von großen Mengen an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und sonstigen Bedarfsgegenständen aus Angst vor einem bevorstehenden Mangel. Diese Gefahr bestand hierzulande real nicht, doch sind "Panikkäufe" psychologisch verständlich.

Die ältere Generation und deren Eltern machten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch Erfahrung mit dem überlebensnotwendigen "Hamstern".

In den beiden Weltkriegen und den Nachkriegszeiten litten weite Teile der Bevölkerung in Österreich und Europa unter Nahrungsmittelknappheit, viele hungerten. Vor allem die Stadtbevölkerung war gezwungen, aufs Land zu fahren und bei den Bauern ihr Hab und Gut gegen Nahrung einzutauschen.

Neben dem "Hamstern" der Armen, gab es auch das "Hamstern" der Wohlhabenden, die reichlich Vorräte anlegten. Die "Hamsterwirtschaft" in Krisenzeiten wurde rasch zu einem Politikum ersten Ranges. So organisierten die Nationalsozialisten angesichts des Versorgungschaos' im Ersten Weltkrieg gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die staatliche Bewirtschaftung der Lebensmittel – freilich unter Ausbeutung der besetzten Gebiete.

Eine historische Betrachtung eines Begriffs, der bereits im 19. Jahrhundert parallel zur sich entwickelnden Konsumgesellschaft entstand und bis heute unterschiedliche Phänomene bezeichnet.


18:00 Ö1 Abendjournal


18:25 Journal-Panorama


18:55 Religion aktuell


19:00 Nachrichten


19:05 Dimensionen
Sherlock Holmes im Abflussrohr
Potenzial und Risiken neuer Sicherheitstechnologien
Von Christian Brüser

Kameras, die automatisch erkennen, wenn ein Gepäckstück ohne Reisenden herumsteht und eigenständig die Polizei rufen. Ein Hochfrequenz-Scanner, der Reisenden im Vorbeigehen unter die Kleidung schaut und Waffen, Geld, Flüssigkeiten oder Drogen entdeckt. Diese und ähnliche Systeme werden derzeit im Rahmen der österreichischen und europäischen Sicherheitsforschung entwickelt und getestet.

Neue Kameras und Sensoren, vor allem aber Mustererkennungssysteme kommen dabei zum Einsatz. Darunter auch ein Roboter, der Sensoren in Kanalrohren anbringt. Sie können chemische Verbindungen aufspüren und die Ergebnisse per Funk an die Einsatzzentrale melden. Das ermöglicht den Fahndern, illegale Drogenlabore zu lokalisieren und zum richtigen Zeitpunkt zuzugreifen. – Klingt sinnvoll, aber wo ziehen wir die Grenze zwischen Sicherheitsgewährleistung und unkontrollierter Überwachung?


19:30 Das Ö1 Konzert
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Dirigent: Robin Ticciati; Antoine Tamestit, Viola. Kurt Weill: "Lady in the Dark" – Symphonic Nocturne, Suite aus dem gleichnamigen Musical (zusammengestellt von Robert Russell Bennett) * Béla Bartók: Konzert für Viola und Orchester Sz 120 * Bohuslav Martinu: Rhapsody-Concerto für Viola und Orchester * Antonin Dvorak: Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 (aufgenommen am 4. März in der Berliner Philharmonie).
Präsentation: Andreas Maurer

Kurt Weill erlebte 1941 mit "Lady in the Dark" am Broadway eine beispiellose Erfolgssträhne. Es war das erste durchweg amerikanische Werk des 1933 aus Nazideutschland emigrierten Komponisten und gleichsam seine musikalische Selbsteinbürgerung. Er besiegelte sie, indem er sich vor allem auf die populäre Musik der amerikanischen Städte bezog, der er sich von seiner klassischen Ausbildung her näherte.

Béla Bartók entschied sich 1940 für das amerikanische Exil, hatte es aber schwer, dort Fuß zu fassen. Trotz schwindender schöpferischer und gesundheitlicher Kraft erlebte er nochmal ein letztes Schaffenshoch, dem unter anderem das Violakonzert entsprang. Wenn auch der Tod des Komponisten 1945 die Vollendung des Werkes verhinderte, so zeugt das überlieferte Fragment doch vom luziden Klang und der volksmusikhaften, expressiven Sprache seiner letzten Jahre.

Mit Bartóks Violakonzert rückt ein Instrument ins Zentrum, das Dvorak als Orchestermusiker über zwölf Jahre den Lebensunterhalt sicherte. Auf dieses griff auch sein Landsmann Martinu zurück, den es ein Jahr nach Bartók ebenfalls nach Amerika trieb. Die freie Form des zweisätzigen Rhapsodie-Konzerts gab ihm die Möglichkeit, seine musikalischen Gedanken zu entfalten und die amerikanischen Eindrücke mit tschechischer Nostalgie verschmelzen zu lassen.

Am Ende kommt mit der Achten von Dvorak jenes klangschöne Werk zu Gehör, mit dem er aus dem Schatten seines Vorbilds Brahms heraustrat. Erfüllt von musikalischen Ideen und voller Schaffenskraft, fand eine neue kompositorische Haltung ihren Ausdruck im zunehmenden Poetisieren bei gleichzeitiger Lockerung tradierter Formen. Am Vorabend der Amerikareise sind viele seiner Werke von dieser Mentalität erfüllt – am strahlendsten ertönt sie in der Achten Symphonie.
(Deutsches Symphonie-Orchester Berlin)


21:55 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


22:00 Ö1 Nachtjournal


22:08 Radiokolleg
Globaler Ausnahmezustand. Wie ein Virus die Welt verändert (2)
Gestaltung: Gestaltung: Margarete-Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerhard Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger


23:00 Nachrichten


23:03 Zeit-Ton
Pioniergeist und Klangästhet. Der Komponist und Pianist Josef Maria Horváth

"Horváths Werke verbinden auf bedingungslos ehrliche Weise kompositorische Strenge und Schlüssigkeit mit großer Klangschönheit", beschrieb Rupert Huber einmal die Arbeit von Josef Maria Horváth. Geboren 1931 in Pécs, floh Horváth 1956 im Zuge des ungarischen Volksaufstands 1956 nach Österreich. In Salzburg fand er eine neue Heimat. Er absolvierte Studien am Mozarteum, trat international als Konzertpianist auf und gehörte ab den späten 1950ern zu den ersten Komponisten, die im Salzburger Studio für elektronische Musik experimentierten.

Später komponierte er vor allem Werke für verschiedene Instrumentalbesetzungen und Chöre, die unter anderem im Auftrag der Salzburger Festspiele und des ORF entstanden. Seit 1979 unterrichtete Horváth am Mozarteum als Professor für Musiktheorie und Neue Musik. Am 21. Oktober 2019 ist Horváth 87-Jährig in Salzburg gestorben.

Gestaltung: Philipp Weismann

*

Mittwoch, 17. Juni 2020


00:00 Nachrichten


00:05 Anklang

(Wiederholung von 10:05 Uhr).


01:00 Nachrichten


01:03 Die Ö1 Klassiknacht

dazw. 03:00 Uhr Nachrichten


05:00 Nachrichten


05:03 Guten Morgen Österreich


06:00 Ö1 Frühjournal


06:10 Guten Morgen Österreich


06:56 Gedanken für den Tag
"Über die Entzauberung der modernen Welt". Anlässlich des 100. Todestages von Max Weber macht sich der evangelische Theologe Ulrich Körtner Gedanken über den Soziologen

Mit den Theorien, die er entwickelte und den Begriffen, die er prägte, hatte der Soziologe Max Weber, dessen Todestag sich am 14. Juni zum 100. Mal jährt, großen Einfluss nicht nur auf die Wirtschafts-, sondern auch auf die Religionssoziologie. So wird etwa seit seinem im Jahr 1919 gehaltenen und berühmtesten Vortrag "Politik als Beruf" zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterschieden. Doch auch Webers Thesen zum Verhältnis von Calvinismus und Kapitalismus, sowie von der Entzauberung der modernen Welt (Säkularisierungsthese) üben bis heute nachhaltige Wirkung aus.

Der evangelische Theologe Ulrich Körtner geht in seinen "Gedanken für den Tag" auch Webers "Polytheismus"-Konzept nach: Die Wiederkehr der Götter in Gestalt moderner Wertekonflikte. Webers Kritik an der Werteethik sei, so Körtner, gerade im Blick auf gegenwärtige Wertedebatten und den Ethikunterricht hoch aktuell.

Gestaltung: Alexandra Mantler


07:00 Ö1 Morgenjournal
mit Kultur aktuell


07:33 Guten Morgen Österreich


07:52 Leporello


08:00 Ö1 Journal um acht


08:20 Pasticcio


08:55 Vom Leben der Natur


09:00 Nachrichten


09:05 Radiokolleg – Globaler Ausnahmezustand
Wie ein Virus die Welt verändert (3).
Gestaltung: Margarete Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerald Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger

Ob in Wien, Chicago, Sao Paulo, Moskau, Istanbul oder Tel Aviv – global und beinahe gleichzeitig wurden überall auf der Welt drastische Maßnahmen gesetzt, die vor kurzem noch undenkbar waren. Der Kampf gegen die rasante Ausbreitung des neuartigen Corona Virus ist eine Zeitenwende, ein globaler Ausnahmezustand. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist die Welt so global und schnell zum Stillstand gekommen. Es ist die erste gemeinsame Erfahrung eines Ausnahmezustands, der in dieser globalen Gleichzeitigkeit erst recht die weltweiten Unterschiede und Ungleichheiten sichtbar macht.

Die erzwungene Immobilität, die "Wohnhaft", das Runterfahren der Wirtschaft auf ein Minimum, die Schließung der Schulen und Geschäfte, die Absage aller Veranstaltungen – hat in Wohlfahrtsstaaten andere Konsequenzen als in Staaten ohne sozialem Auffangnetz. Die Vollbremsung der Weltwirtschaft führt zur größten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression von 1929, so prognostiziert der IWF bereits im April. Wie lange die Rekonvaleszenz dieses schwer angeschlagenen Intensivpatienten dauern wird, ist zum derzeitigen Zeitpunkt reine Spekulation. Die Entwicklungs- und Schwellenländer sind jedenfalls besonders hart getroffen. Wo Menschen, von der Hand in den Mund leben, führt ein Lockdown zu Hungersnot.

Das Radiokolleg Spezial bringt von Montag bis Donnerstag die unterschiedlichen globalen Perspektiven in diesem Ausnahmezustand zu Gehör. Wir sammeln "Global Voices", die in kurzen Clips über Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen berichten. Da die Grenzen geschlossen sind und die räumliche Distanz oberstes Gebot ist, werden die Interviews aus der Ferne im Homeoffice aufgezeichnet. Und in Zeiten von Corona klingen alle Gesprächspartner/innen gleich, egal ob sie in Wien Neubau oder in New York City sitzen.

Ein Virus geht um die Welt und verändert unsere Sichtweisen. Im Radiokolleg Spezial verfolgen wir diese Fragen: Was unterscheidet diesen Ausnahmezustand von anderen Ausnahmezuständen? Erleben wir die Große Depression 2.0.? Ist Corona das Ende der globalisierten Wirtschaft? Menschenleben versus Lockdown -Ethik versus Wirtschaft? Führt COVID-19 zu einem Comeback des Nationalismus und was ist mit der EU? Grenzen zu - Datenschleuse auf? Ist die totale Überwachung der Preis für ein Minimum an Freiheit? Führt das Virus zu einem Ende der Massengesellschaft? Was folgt aus dem Digitalisierungsschub? Wir kriegen das hin – nach Corona auch den Klimawandel?


09:57 Ö1 heute


10:00 Nachrichten


10:05 Anklang
mit Stephanie Maderthaner
"Für Ludwig": Eine Serenade wird verändert
Ludwig van Beethoven: Serenade für Flöte und Klavier in D-Dur op. 41 - nach der Serenade für Flöte und Streicher op. 25
(Emmanuel Pahud/Flöte, Éric Le Sage/Klavier)

Die leichtfüßige, teilweise auch freche Serenade op. 25 entstand am Beginn von Beethovens Wiener Jahren. Ein unbekannter Bearbeiter hatte davon eine Fassung für Flöte und Klavier geschaffen. Beethoven selbst sah diese neue Version durch und verbesserte sie stellenweise, bevor er eine Veröffentlichung zuließ. Trotzdem bat er den Verleger im Vorfeld, ihn als Bearbeiter nicht zu nennen: "Kommt mir ja nicht, dass Ihr da schreibt, dass ich´s übersetzt hab´ – weil Ihr sonst lügt!"


11:00 Nachrichten


11:05 Radiogeschichten
"Poldi" von Carson McCullers. Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schnack. Es liest Eleonore Bürcher.

Poldi – so heißt die Cellistin im dritten Stock, der die scheue Verehrung von Hans gehört. Nicht nur die Saiten ihres Instruments bringt sie zum Schwingen, sondern auch jene im Herzen ihres Verehrers. Und so wagt sich Hans eines Tages in den dritten Stock. Ein Zusammentreffen wird unvermeidlich.

Gestaltung: Martin Sailer
Präsentation: Antonia Löffler


11:25 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


11:30 Des Cis
mit Helene Breisach.


11:57 Ö1 heute


12:00 Ö1 Mittagsjournal
mit Nachrichten in englischer Sprache


13:00 Punkt eins


13:55 Wissen aktuell


14:00 Nachrichten


14:05 Das Ö1 Konzert
WDR Sinfonieorchester Köln, Dirigent: Rumon Gamba. J. Moross: Titelmelodie aus "The Big Country" * M. Böttcher: Old Shatterhand, Titelmelodie aus "Der Schatz im Silbersee" * E. Morricone: Thema aus "A Fistful of Dollars" * A. Copland: Old American Songs * E. Morricone: Titelmelodie aus "The Good, the Bad and the Ugly" und "Once Upon a Time with Wolves" * J. Barry: Thema des John Dunbar aus "Dances with Wolves" * E. Bernstein: Suite aus "The Magnificent Seven" * B. Broughton: Thema aus "Silverado" * D. Tiomkin: The Ballad of High Noon aus "High Noon" * St. Jones " (Ghost) Riders in the Sky" * B. Bacharach: Raindrops Keep Fallin' on my Head aus "Butch Cassidy and the Sundance Kid"


15:30 Moment


15:55 Rudi! Der rasende Radiohund


16:00 Nachrichten


16:05 Praxis – Religion und Gesellschaft


16:40 Das Ö1 Gesundheitsmagazin


16:55 Digital.Leben


17:00 Ö1 Journal um fünf


17:09 Kulturjournal


17:30 Spielräume
Musik aus allen Richtungen mit Mirjam Jessa.


17:55 Betrifft: Geschichte
Alltägliche Versorgung in Krisenzeiten. Mit Ernst Langthaler, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz und Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.
Gestaltung: Isabelle Engels

Die "Corona-Krise" führte gleich zu Beginn zu einem Phänomen, das als "Hamstern" bezeichnet wird: das Einkaufen von großen Mengen an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und sonstigen Bedarfsgegenständen aus Angst vor einem bevorstehenden Mangel. Diese Gefahr bestand hierzulande real nicht, doch sind "Panikkäufe" psychologisch verständlich.

Die ältere Generation und deren Eltern machten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch Erfahrung mit dem überlebensnotwendigen "Hamstern".

In den beiden Weltkriegen und den Nachkriegszeiten litten weite Teile der Bevölkerung in Österreich und Europa unter Nahrungsmittelknappheit, viele hungerten. Vor allem die Stadtbevölkerung war gezwungen, aufs Land zu fahren und bei den Bauern ihr Hab und Gut gegen Nahrung einzutauschen.

Neben dem "Hamstern" der Armen, gab es auch das "Hamstern" der Wohlhabenden, die reichlich Vorräte anlegten. Die "Hamsterwirtschaft" in Krisenzeiten wurde rasch zu einem Politikum ersten Ranges. So organisierten die Nationalsozialisten angesichts des Versorgungschaos' im Ersten Weltkrieg gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die staatliche Bewirtschaftung der Lebensmittel – freilich unter Ausbeutung der besetzten Gebiete.

Eine historische Betrachtung eines Begriffs, der bereits im 19. Jahrhundert parallel zur sich entwickelnden Konsumgesellschaft entstand und bis heute unterschiedliche Phänomene bezeichnet.


18:00 Ö1 Abendjournal


18:25 Journal-Panorama


18:55 Religion aktuell


19:00 Nachrichten


19:05 Dimensionen
Nahrung für morgen
Food Design und Nachhaltigkeit
Von Gaby Schlag und Benno Wenz

Food Design ist in der Lebensmittelindustrie ein Begriff für die Komposition und Entwicklung von Lebensmittel-Rezepturen, aber auch für deren optische Gestaltung und Produkteigenschaften. Jetzt will die Lebensmittelindustrie auch nachhaltig werden -, weil der Verbraucher es so will.

Die Konzerne sind auf der Suche nach Cleanlabeling, nach biologischen statt künstlichen Aromastoffen und vor allem nach Konzepten zur Restlosverwertung von Pflanzen und Proteinalternativen. Dass im Rahmen dieser Entwicklung nun auch noch unsere Sinne digitalisiert werden sollen, versteht sich von selbst. Die Wissenschafter experimentieren mit künstlichen Nasen und Zungen.


19:30 Alte Musik – neu interpretiert
präsentiert von Colin Mason. Le Camp du Drap d'Or (2. Teil)

Im Juni 1520 fand in der Nähe von Calais ein Gipfeltreffen zwischen Heinrich VIII von England und Franz I von Frankreich statt, das heute als "Le Camp du Drap d'Or" (Das Feld des Güldenen Tuches) bekannt ist und Maßstäbe für zukünftige Herrscherbegegnungen setzte. Den Höhepunkt des Gipfeltreffens bildete eine am 23. Juni 1520 vom englischen Kardinal Wolsey zelebrierten Messe für den Frieden, bei der die Mitglieder der französischen Hofkapelle unter Jean Mouton und die englischen Hofkapelle (vermutlich unter William Cornysh d.J.) die musikalischen Aufgaben teilten.

Im zweiten Teil unserer Sendungsreihe bringen wir geistliche und instrumentale Musik, die möglicherweise bei dieser Festmesse zu hören war.


21:00 Salzburger Nachtstudio
Ich seh ich seh, was du nicht siehst
Vom Fassbaren und Unfassbaren in Physik und Mikrobiologie
Gestaltung: Katrin Mackowski

Ursprünglich hatte die Wissenschaft den Sinn, die Dinge zu erklären, die wir täglich sehen: Die Bewegung der Himmelskörper, das Verhalten von Naturgewalten, Pflanzen und Tiere. Doch längst ist die Forschung weit darüber hinausgegangen und eröffnet uns Einblicke in Welten, von deren Existenz wir lange Zeit nichts wissen konnten. Die Physik ist in die Welt der winzigsten Teilchen vorgedrungen. Problemlos können wir heute Atome und Moleküle untersuchen und ihre Gesetze studieren.

Die Biologie hat inzwischen viele der großen Geheimnisse des Lebens entschlüsselt: Ideen wie die einer mystischen "Lebensenergie" oder einer geheimnisvollen "Urzeugung" waren nur so lange haltbar bis die Wissenschaft den verborgenen Mechanismus des Lebens erkennbar machte. Aber nicht nur die Forschung an kleinen Objekten, auch der Blick auf das ganz Große gewährt uns völlig neue Perspektiven: Wir erforschen heute Sterne, die niemand mit freiem Auge sehen kann, finden Strukturen im Universum und stoßen dabei immer noch auf atemberaubende Überraschungen; auf geheimnisvolle "Dunkle Materie", von der wir bis heute keine umfassende Vorstellung haben, denn wir können sie nicht sehen, wir können sie nur messen.

Unseren Messwerten liegt dabei eine Realität zugrunde, die sich oft nur über Umwege beschreiben lässt. Häufig betrifft das Unsichtbare, Unerahnte, Überraschende auch uns selbst: Die Wissenschaft kann uns dabei helfen, unser eigenes Unbewusstes besser zu verstehen und gleichzeitig zu erkennen, dass uns sogar unser eigenes Bauchgefühl voraus sein kann oder auch in die Irre führt. Das alles wirft letztlich auch wichtige philosophische Fragen auf: Gibt es so etwas wie eine objektive Realität, was ist Bewusstsein?

Stimmt es, dass die Beobachtung in der Quantenphysik Einfluss auf das Messergebnis hat und was bedeutet das für die Zuverlässigkeit unserer Beobachtungen? Ist die Tulpe nur dann rot, wenn sie betrachtet wird? Was bedeutet die Realität hinter der Sinneserfassung und wie hängen Materie, Körper- und Sinnesempfindungen mit physikalischen Phänomenen bis hin zu Mechanismen der psychischen Verarbeitung zusammen? Fragen an den Quantenphysiker Florian Aigner und den Molekularbiologen Martin Moder in einem Salzburger Nachtstudio von Katrin Mackowski.


21:55 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


22:00 Ö1 Nachtjournal


22:08 Radiokolleg
Globaler Ausnahmezustand. Wie ein Virus die Welt verändert (3)
Gestaltung: Gestaltung: Margarete-Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerhard Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger


23:00 Nachrichten


23:03 Zeit-Ton
Zeit-Ton Magazin Jeden Mittwoch präsentieren wir Ihnen die spannendsten Neuveröffentlichungen aus allen Bereichen neuer und experimenteller Musik.
Gestaltung: Astrid Schwarz

*

Donnerstag, 18. Juni 2020


00:00 Nachrichten


00:05 Anklang

(Wiederholung von 10:05 Uhr).


01:00 Nachrichten


01:03 Die Ö1 Klassiknacht

dazw. 03:00 Uhr Nachrichten


05:00 Nachrichten


05:03 Guten Morgen Österreich


06:00 Ö1 Frühjournal


06:10 Guten Morgen Österreich


06:56 Gedanken für den Tag
"Über die Entzauberung der modernen Welt". Anlässlich des 100. Todestages von Max Weber macht sich der evangelische Theologe Ulrich Körtner Gedanken über den Soziologen

Mit den Theorien, die er entwickelte und den Begriffen, die er prägte, hatte der Soziologe Max Weber, dessen Todestag sich am 14. Juni zum 100. Mal jährt, großen Einfluss nicht nur auf die Wirtschafts-, sondern auch auf die Religionssoziologie. So wird etwa seit seinem im Jahr 1919 gehaltenen und berühmtesten Vortrag "Politik als Beruf" zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterschieden. Doch auch Webers Thesen zum Verhältnis von Calvinismus und Kapitalismus, sowie von der Entzauberung der modernen Welt (Säkularisierungsthese) üben bis heute nachhaltige Wirkung aus.

Der evangelische Theologe Ulrich Körtner geht in seinen "Gedanken für den Tag" auch Webers "Polytheismus"-Konzept nach: Die Wiederkehr der Götter in Gestalt moderner Wertekonflikte. Webers Kritik an der Werteethik sei, so Körtner, gerade im Blick auf gegenwärtige Wertedebatten und den Ethikunterricht hoch aktuell.

Gestaltung: Alexandra Mantler


07:00 Ö1 Morgenjournal
mit Kultur aktuell


07:33 Guten Morgen Österreich


07:52 Leporello


08:00 Ö1 Journal um acht


08:20 Pasticcio


08:55 Vom Leben der Natur


09:00 Nachrichten


09:05 Radiokolleg – Globaler Ausnahmezustand
Wie ein Virus die Welt verändert (4).
Gestaltung: Margarete Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerald Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger

Ob in Wien, Chicago, Sao Paulo, Moskau, Istanbul oder Tel Aviv – global und beinahe gleichzeitig wurden überall auf der Welt drastische Maßnahmen gesetzt, die vor kurzem noch undenkbar waren. Der Kampf gegen die rasante Ausbreitung des neuartigen Corona Virus ist eine Zeitenwende, ein globaler Ausnahmezustand. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist die Welt so global und schnell zum Stillstand gekommen. Es ist die erste gemeinsame Erfahrung eines Ausnahmezustands, der in dieser globalen Gleichzeitigkeit erst recht die weltweiten Unterschiede und Ungleichheiten sichtbar macht.

Die erzwungene Immobilität, die "Wohnhaft", das Runterfahren der Wirtschaft auf ein Minimum, die Schließung der Schulen und Geschäfte, die Absage aller Veranstaltungen – hat in Wohlfahrtsstaaten andere Konsequenzen als in Staaten ohne sozialem Auffangnetz. Die Vollbremsung der Weltwirtschaft führt zur größten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression von 1929, so prognostiziert der IWF bereits im April. Wie lange die Rekonvaleszenz dieses schwer angeschlagenen Intensivpatienten dauern wird, ist zum derzeitigen Zeitpunkt reine Spekulation. Die Entwicklungs- und Schwellenländer sind jedenfalls besonders hart getroffen. Wo Menschen, von der Hand in den Mund leben, führt ein Lockdown zu Hungersnot.

Das Radiokolleg Spezial bringt von Montag bis Donnerstag die unterschiedlichen globalen Perspektiven in diesem Ausnahmezustand zu Gehör. Wir sammeln "Global Voices", die in kurzen Clips über Erfahrungen, Befürchtungen und Hoffnungen berichten. Da die Grenzen geschlossen sind und die räumliche Distanz oberstes Gebot ist, werden die Interviews aus der Ferne im Homeoffice aufgezeichnet. Und in Zeiten von Corona klingen alle Gesprächspartner/innen gleich, egal ob sie in Wien Neubau oder in New York City sitzen.

Ein Virus geht um die Welt und verändert unsere Sichtweisen. Im Radiokolleg Spezial verfolgen wir diese Fragen: Was unterscheidet diesen Ausnahmezustand von anderen Ausnahmezuständen? Erleben wir die Große Depression 2.0.? Ist Corona das Ende der globalisierten Wirtschaft? Menschenleben versus Lockdown -Ethik versus Wirtschaft? Führt COVID-19 zu einem Comeback des Nationalismus und was ist mit der EU? Grenzen zu - Datenschleuse auf? Ist die totale Überwachung der Preis für ein Minimum an Freiheit? Führt das Virus zu einem Ende der Massengesellschaft? Was folgt aus dem Digitalisierungsschub? Wir kriegen das hin – nach Corona auch den Klimawandel?


09:57 Ö1 heute


10:00 Nachrichten


10:05 Ausgewählt
mit Hans Georg Nicklaus. Dirigenten und Interpreten/innen im Vergleich mit sich selbst.

Gunar Letzbor und die Ars Antiqua Austria haben unlängst, nach 20 Jahren, ein zweites Mal Bibers Rosenkranzsonaten eingespielt; Andras Schiff hat vor kurzem einige Sonaten Schuberts ein zweites Mal aufgenommen, diesmal mit einem historischen Hammerklavier, Roger Norrington hat Symphonien Mendelssohns im Abstand von 15 Jahren zunächst mit den London Classical Players, dann mit dem Radio-Symphonieorchester Stuttgart aufgenommen, Nikolaus Harnoncourt spielt Mozart mit dem Amsterdamer Concertgebouw-Orchester und ca. 10 Jahre später mit dem Chamber Orchestra of Europe – und viele weitere Beispiele ließen sich vor allem von großen Dirigenten anführen, die dasselbe Werk mehrfach aufgenommen haben und dabei ihren Klang – Tempi oder Dynamik, Betonungen oder Artikulationen – gehörig ändern.

Ausgewählt vergleicht: Dirigenten und Interpreten/innen im Vergleich mit sich selbst – habe sie ihre 'Meinung' geändert oder bleiben sie sich treu?


11:00 Nachrichten


11:05 Radiogeschichten
"Schwanengesang" von Joakim Kjørsvik und "Helga mit dem gelben Kleid" von Vigdis Hjorth. Aus dem Norwegischen von Nora Pröfrock und Hannah Kleber. Es liest Raphael von Bargen. Zwei Sommergeschichten aus Norwegen erzählen von Tagen des Lichts.

Bei Joakim Kjørsvik werden die heimkehrenden Schwäne in einem gemeinschaftlichen Ritual willkommen geheißen. Nicht ganz so einträchtig sieht Vigdis Hjorth das dörfliche Zusammenleben. Bei ihr bringt "Helga mit dem gelben Kleid" eine Inselgemeinschaft aus dem Gleichgewicht. Die Aushilfslehrerin stellt ihren Schülern eine Aufgabe, die diese und bald auch ihre Eltern in Bedrängnis bringt.

Gestaltung: Julia Zarbach
Präsentation: Antonia Löffler


11:25 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


11:30 Des Cis
mit Daniela Knaller. BEETHOVEN ESSENZIELL

DesCis bringt anlässlich des Beethovenjahres 2020 eine wöchentliche Serie unter dem Titel "Beethoven – essenziell". In 250 Sekunden wollen wir immer am Donnerstag versuchen den Menschen, das Werk, die Zeit und die Auswirkungen dieses so herausragenden Künstlers zu beleuchten – zur Feier der 250. Wiederkehr des Geburtstages Beethovens.


11:57 Ö1 heute


12:00 Ö1 Mittagsjournal
mit Nachrichten in englischer Sprache


13:00 Punkt eins


13:55 Wissen aktuell


14:00 Nachrichten


14:05 Stimmen hören
mit Chris Tina Tengel.
Novitäten aus dem Wien vor 200 Jahren: Franz Schubert und sein Umfeld

Der Opernkomponist Franz Schubert, das wusste zuletzt ein Nikolaus Harnoncourt und pochte darauf, ist immer für Entdeckungen gut. Vielleicht dass ihm für die Bühne kein Gegenstück zur "Müllerin", zur "Winterreise" zugefallen ist – eine "Überhöhung" des zeittypischen Singspieltons dagegen schon. So sind diesmal die 1820 am Wiener Kärntnertortheater, also der Hofoper, uraufgeführten "Zwillingsbrüder" Ausgangspunkt einer kleinen Zeitreise.

Denn auch das maximal rekonstruierbare Schubert-Melodram "Die Zauberharfe" ist "Jahrgang" 1820 und in der Entstehungsgeschichte eine Zeitgenossin der Fragment gebliebenen großen dreiaktigen Oper "Sakontala", deren Partitur Schubert in dem Moment beiseitelegte, als an der Hofoper ein thematisch verwandtes Werk von Louis Spohr gespielt wurde.


15:30 Moment


15:55 Ö1 Kinderjournal
Rudi präsentiert jeden Donnerstag das Ö1 Kinderjournal

Rudi besucht seine Kolleginnen und Kollegen in der Nachrichtenredaktion. Denn Donnerstag ist Nachrichtentag. Der Radiohund fragt, was es diese Woche in Österreich, Europa und der Welt Neues gibt.


16:00 Nachrichten


16:05 Medizin und Gesundheit


16:40 Die Ö1 Kinderuni
Wie kann man Terroristen Geld wegnehmen?
Von eingefrorenen Konten und schlauen Computersystemen.
Gestaltung: Ute Maurnböck

Terroristen haben vor allem ein Ziel: einen Staat oder dessen Gesellschaft, die nicht so lebt, wie sie sich das vorstellen, zu schwächen. Mit Anschlägen möchten sie ihre Forderungen durchsetzen. Ein Beispiel, das vielen bekannt ist: die Anschläge vom 11 September 2001. Damals flogen entführte Flugzeuge mit Selbstmordattentätern des islamistischen Terrornetzwerks al-Qaida in zwei Türme des World Trade Centers in New York sowie in militärische Gebäude.

Eine Möglichkeit, Terroristen zu stoppen, ist, ihnen ihr Geld wegzunehmen. Jonas, Alma, Lisa und Ferdinand vom Ö1 Kinderuni-Team überlegen, wie das möglich wäre. Da sind zum einen Banken, die gesetzlich dazu verpflichtet sind, auf mögliche Finanzierungen von Terroristen zu achten. Es gibt heute schon Computersysteme, die auffällige Transaktionen erkennen können. Ist das der Fall, wird ein verdächtiges Konto eingefroren und kein Geld kann mehr überwiesen werden. Und zum anderen gibt Behörden, die wiederum auf die Banken achten, ob diese Vorgaben auch erfüllt werden. Wie das funktioniert, diskutieren die Kinder mit Christoph Kodada von der Finanzmarktaufsicht und Stephan Klinger, er ist Compliance-Verantwortlicher der Volksbanken Österreichs und unterrichtet an der Fachhochschule des BFI und der WU Wien.


16:55 Digital.Leben


17:00 Ö1 Journal um fünf


17:09 Kulturjournal


17:30 Spielräume
Musik aus allen Richtungen mit Andreas Felber.


17:55 Betrifft: Geschichte
Alltägliche Versorgung in Krisenzeiten. Mit Ernst Langthaler, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz und Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.
Gestaltung: Isabelle Engels

Die "Corona-Krise" führte gleich zu Beginn zu einem Phänomen, das als "Hamstern" bezeichnet wird: das Einkaufen von großen Mengen an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und sonstigen Bedarfsgegenständen aus Angst vor einem bevorstehenden Mangel. Diese Gefahr bestand hierzulande real nicht, doch sind "Panikkäufe" psychologisch verständlich.

Die ältere Generation und deren Eltern machten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch Erfahrung mit dem überlebensnotwendigen "Hamstern".

In den beiden Weltkriegen und den Nachkriegszeiten litten weite Teile der Bevölkerung in Österreich und Europa unter Nahrungsmittelknappheit, viele hungerten. Vor allem die Stadtbevölkerung war gezwungen, aufs Land zu fahren und bei den Bauern ihr Hab und Gut gegen Nahrung einzutauschen.

Neben dem "Hamstern" der Armen, gab es auch das "Hamstern" der Wohlhabenden, die reichlich Vorräte anlegten. Die "Hamsterwirtschaft" in Krisenzeiten wurde rasch zu einem Politikum ersten Ranges. So organisierten die Nationalsozialisten angesichts des Versorgungschaos' im Ersten Weltkrieg gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die staatliche Bewirtschaftung der Lebensmittel – freilich unter Ausbeutung der besetzten Gebiete.

Eine historische Betrachtung eines Begriffs, der bereits im 19. Jahrhundert parallel zur sich entwickelnden Konsumgesellschaft entstand und bis heute unterschiedliche Phänomene bezeichnet.


18:00 Ö1 Abendjournal


18:25 Journal-Panorama


18:55 Religion aktuell


19:00 Nachrichten


19:05 Dimensionen
dimensionen.diskussionen

Das neue Gesprächsformat der "Dimensionen" am Donnerstag: mit Diskussionen zu aktuellen Wochenthemen oder Hintergrundgesprächen, wissenschaftlichen Disputen, interdisziplinären Dialogen, Werkstattgesprächen.


19:30 Das Ö1 Konzert
Andrè Schuen, Bariton; Daniel Heide, Klavier. Franz Schubert: "Die schöne Müllerin", Liederzyklus D 795 (aufgenommen am 29. August 2018 im Angelika-Kauffmann-Saal in Schwarzenberg im Rahmen der "Schubertiade Schwarzenberg 2018").
Präsentation: Stefan Höfel

Der aus dem ladinischen La Val (Südtirol) stammende und am Mozarteum Salzburg ausgebildete Bariton Andrè Schuen ist einer der aufregendsten jungen Liedsänger von heute, der auch gleichermaßen auf der Opernbühne und im Konzertsaal reüssiert; Auftritte führten ihn u.a. nach Wien, Salzburg, Berlin, München, London, Tokio und nach Lateinamerika. Auf dem Programm des seinesLiederabends bei der Schubertiade steht Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin". Sein Partner am Klavier ist Daniel Heide.
(Schubertiade Schwarzenberg)


21:00 Im Gespräch
"Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag" – Die Klimaökonomin Claudia Kemfert im Gespräch mit Birgit Dalheimer

"Jetzt besteht die Chance auf einen echten Wandel." Das schrieb Claudia Kemfert, bevor die Corona-Pandemie unser aller Leben einschneidend veränderte. Und auch von einem New Green Deal ist in ihrem jüngsten Buch, "Mondays for Future" die Rede. Unter dem Motto "Freitag demonstrieren, am Wochenende diskutieren, ab Montag anpacken und umsetzen" ist es ein neuerlicher, dringender Aufruf, endlich zu handeln.

Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die studierte Wirtschaftswissenschafterin machte sich als Klimaökonomin auch international einen Namen. Sie beriet unter anderem EU-Kommissionsprädienten Jose Manuel Barroso, die Weltbank und die Vereinten Nationen.

Mit ihrem neuen Buch will Claudia Kemfert Ihren Leserinnen und Lesern Mut machen. Im Gespräch mit Birgit Dalheimer zeigt sie, wie, und spricht auch über ihre Rolle als Politik beratende Wissenschafterin.


21:55 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


22:00 Ö1 Nachtjournal


22:08 Radiokolleg
Globaler Ausnahmezustand. Wie ein Virus die Welt verändert (4)
Gestaltung: Margarete-Engelhardt-Krajanek, Günter Kaindlstorfer, Johannes Kaup, Gerhard Nestler, Thomas Mießgang, Irmgard Wutscher, Wolfgang Ritschl, Ina Zwerger


23:00 Nachrichten


23:03 Zeit-Ton
Zeit-Ton Zeitreise mit Konrad Becker

Vor vierzig Jahren erschien das Debüt-Album von Monoton. Mit diesem Projekt schuf der Wiener Medienkünstler Konrad Becker einen der Grundsteine österreichischer Elektronik an Schnittstellen von Klangkunst und früher Club-Musik. Zudem ist er ein Pionier künstlerischer und gesellschaftspolitischer Internetkultur. Ausgehend von Monoton, unternimmt der Zeit-Ton mit Konrad Becker sowohl eine Zeitreise wie aktuelle Bestandsaufnahmen.

Monoton bringt uns in die Zeit eines Aufbruchs in der elektronischen Musik. In den frühen 1980er Jahren entstanden zum einen avantgardistische Experimente wie etwa im Industrial, zum anderen wurden repetitive Strukturen ausgelotet, die später im Techno zueinander fanden. Das von Konrad Becker und Eugenia Rochas gegründete und von Becker fortgeführte Projekt Monoton war die Erforschung einer Musik, bei der Menschliches konsequent in Maschinellem aufging.

Die 1980 bzw. 1982 herausgebrachten Alben "Monotonprodukt 02" und "Monotonprodukt 07" sind auf das absolute Minimum reduzierte Elektronik aus rhythmisierten Pulsationen und Klangvibrationen. Becker ging es darum, harmonische und mathematische Prinzipien auf selbstspielende und psychoakustische Systeme zu übertragen; siehe etwa das Album "Grand Piano Classics" (2010) für Multitrack-Pianos, das Stücke aus gut 30 Jahren kompiliert. Ebenfalls präsent bei Monoton waren synästhetische Steuerungen aus Musik und Projektionen. Vermittlungen.

Seit jener Zeit beschäftigt sich Konrad Becker auch aus künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Perspektiven mit Medien. Zu seinen Hauptgebieten zählen Multimedia, Virtual Reality und Kommunikationstechnologien. Die von ihm von 1994 bis 2006 geleitete Public Netbase t0 war eine der ersten Internet-Plattformen Österreichs, 1995 wurde sie mit dem Preis der Ars Electronica in der Kategorie "World Wide Web" ausgezeichnet.

Den im t0 herausgearbeiteten kritischen Diskurs über Digitalkultur und Informationspolitik setzte Becker dann in dem von ihm mitbegründeten World-Information Institute fort. Diese Einrichtung ist auf Themen rund um Mediendemokratie, Netzkultur und digitale Organisationsformen spezialisiert. Becker ist auch Autor und Herausgeber zahlreicher Fachbücher.

Im Zeit-Ton spricht Konrad Becker u.a. über Monoton, Entwicklungen elektronischer Musik und mediengesellschaftliche Veränderungen.

Gestaltung: Heinrich Deisl

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Freitag, 19. Juni 2020


00:00 Nachrichten


00:05 Ausgewählt

(Wiederholung von 10:06 Uhr).


01:00 Nachrichten


01:03 Die Ö1 Klassiknacht

dazw. 03:00 Uhr Nachrichten


05:00 Nachrichten


05:03 Guten Morgen Österreich


06:00 Ö1 Frühjournal


06:10 Guten Morgen Österreich


06:56 Gedanken für den Tag
"Über die Entzauberung der modernen Welt". Anlässlich des 100. Todestages von Max Weber macht sich der evangelische Theologe Ulrich Körtner Gedanken über den Soziologen

Mit den Theorien, die er entwickelte und den Begriffen, die er prägte, hatte der Soziologe Max Weber, dessen Todestag sich am 14. Juni zum 100. Mal jährt, großen Einfluss nicht nur auf die Wirtschafts-, sondern auch auf die Religionssoziologie. So wird etwa seit seinem im Jahr 1919 gehaltenen und berühmtesten Vortrag "Politik als Beruf" zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik unterschieden. Doch auch Webers Thesen zum Verhältnis von Calvinismus und Kapitalismus, sowie von der Entzauberung der modernen Welt (Säkularisierungsthese) üben bis heute nachhaltige Wirkung aus.

Der evangelische Theologe Ulrich Körtner geht in seinen "Gedanken für den Tag" auch Webers "Polytheismus"-Konzept nach: Die Wiederkehr der Götter in Gestalt moderner Wertekonflikte. Webers Kritik an der Werteethik sei, so Körtner, gerade im Blick auf gegenwärtige Wertedebatten und den Ethikunterricht hoch aktuell.

Gestaltung: Alexandra Mantler


07:00 Ö1 Morgenjournal
mit Kultur aktuell


07:33 Guten Morgen Österreich


07:52 Leporello


08:00 Ö1 Journal um acht


08:20 Pasticcio


08:55 Vom Leben der Natur


09:00 Nachrichten


09:05 Kontext – Sachbücher und Themen
Redaktion: Wolfgang Ritschl


09:42 Saldo – das Ö1 Wirtschaftsmagazin


09:57 Ö1 heute


10:00 Nachrichten


10:05 Intrada – Österreichs Musizierende im Porträt
Die Jeunesse in der Saison 2020/2021 +++ Die Pianistin und Geigerin Sophie Druml +++ "Mozart in my hands" – Eine Konzertreihe der Jungen Philharmonie Wien
Präsentation: Daniela Knaller


11:00 Nachrichten


11:05 Radiogeschichten – Neue Literatur aus Österreich
"Erinnerung" und andere Geschichten aus New York. Von Lily Brett. Aus dem Englischen von Melanie Walz. Es liest Michou Friesz.

In ihren Kolumnen – als Buch erstmals 2000 erschienen – schildert die australisch-amerikanische Autorin Lily Brett Alltagsmomente aus ihrem New Yorker Leben. Sie erzählt von sich selbst, von ihrer jüdischen Familie und den vielen Eigenheiten dieser Stadt, die sie auch heute noch fasziniert, und zeichnet damit ein Bild der Metropole und gleichzeitig ein Selbstporträt.

Gestaltung: Edith Vukan
Präsentation: Nicole Dietrich


11:25 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


11:30 Des Cis
mit Peter Kislinger.


11:57 Ö1 heute


12:00 Ö1 Mittagsjournal
mit Nachrichten in englischer Sprache


13:00 Punkt eins


13:55 Wissen aktuell


14:00 Nachrichten


14:05 In Concert
Auf den Spuren von Art Blakey's Jazz Messengers: Terence Blanchard

Der US-amerikanische Trompeter Terence Blanchard war von 1982 bis 1986 als Nachfolger von Wynton Marsalis musikalischer Leiter der "Jazz Messengers" von Schlagzeuger Art Blakey. 2019 wandelte Blanchard programmatisch auf den Spuren dieser legendären Formation, deren Repertoire er sich jedoch in ungewöhnlicher Septettbesetzung mit elektrischem und akustischem Bass sowie elektrischer Gitarre annahm. Aus Blanchards Ensemble ragte dabei der Name des Schlagzeugers Jeff "Tain" Watts heraus, der seine internationale Karriere einst als kraftvoller Sideman in den Bands von Wynton und Branford Marsalis gestartet hat. Klaus Wienerroither präsentiert das Konzert des Terence Blanchard Septetts vom 11. Juli letzten Jahres beim Jazzfestival Montreux.

Gestaltung: Klaus Wienerroither


15:30 Moment – Kulinarium


15:55 Schon gehört? Tipps für Klein und Groß


16:00 Nachrichten


16:05 Da capo: Im Gespräch
"Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag" – Die Klimaökonomin Claudia Kemfert im Gespräch mit Birgit Dalheimer

"Jetzt besteht die Chance auf einen echten Wandel." Das schrieb Claudia Kemfert, bevor die Corona-Pandemie unser aller Leben einschneidend veränderte. Und auch von einem New Green Deal ist in ihrem jüngsten Buch, "Mondays for Future" die Rede. Unter dem Motto "Freitag demonstrieren, am Wochenende diskutieren, ab Montag anpacken und umsetzen" ist es ein neuerlicher, dringender Aufruf, endlich zu handeln.

Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Die studierte Wirtschaftswissenschafterin machte sich als Klimaökonomin auch international einen Namen. Sie beriet unter anderem EU-Kommissionsprädienten Jose Manuel Barroso, die Weltbank und die Vereinten Nationen.

Mit ihrem neuen Buch will Claudia Kemfert Ihren Leserinnen und Lesern Mut machen. Im Gespräch mit Birgit Dalheimer zeigt sie, wie, und spricht auch über ihre Rolle als Politik beratende Wissenschafterin.


17:00 Ö1 Journal um fünf


17:09 Kulturjournal


17:30 Spielräume
Musik aus allen Richtungen mit Wolfgang Schlag.


17:55 Betrifft: Geschichte
Alltägliche Versorgung in Krisenzeiten. Mit Ernst Langthaler, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Johannes Kepler Universität Linz und Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten.
Gestaltung: Isabelle Engels

Die "Corona-Krise" führte gleich zu Beginn zu einem Phänomen, das als "Hamstern" bezeichnet wird: das Einkaufen von großen Mengen an Lebensmitteln, Hygieneartikeln und sonstigen Bedarfsgegenständen aus Angst vor einem bevorstehenden Mangel. Diese Gefahr bestand hierzulande real nicht, doch sind "Panikkäufe" psychologisch verständlich.

Die ältere Generation und deren Eltern machten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durchaus noch Erfahrung mit dem überlebensnotwendigen "Hamstern".

In den beiden Weltkriegen und den Nachkriegszeiten litten weite Teile der Bevölkerung in Österreich und Europa unter Nahrungsmittelknappheit, viele hungerten. Vor allem die Stadtbevölkerung war gezwungen, aufs Land zu fahren und bei den Bauern ihr Hab und Gut gegen Nahrung einzutauschen.

Neben dem "Hamstern" der Armen, gab es auch das "Hamstern" der Wohlhabenden, die reichlich Vorräte anlegten. Die "Hamsterwirtschaft" in Krisenzeiten wurde rasch zu einem Politikum ersten Ranges. So organisierten die Nationalsozialisten angesichts des Versorgungschaos' im Ersten Weltkrieg gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die staatliche Bewirtschaftung der Lebensmittel – freilich unter Ausbeutung der besetzten Gebiete.

Eine historische Betrachtung eines Begriffs, der bereits im 19. Jahrhundert parallel zur sich entwickelnden Konsumgesellschaft entstand und bis heute unterschiedliche Phänomene bezeichnet.


18:00 Ö1 Abendjournal


18:20 Europa-Journal


18:55 Religion aktuell


19:00 Nachrichten


19:05 matrix – computer & neue medien
Das Homeschooling und seine Grenzen
Fernunterricht zwischen Chaos, Chance und Konsequenzen

War Mitte März das plötzliche Homeschooling für Schülerinnen, Lehrer und Eltern ein Sprung ins kalte Wasser, sollte sich nach über drei Monaten das digitale Unterrichten mittlerweile eingespielt haben. Matrix fragt am Ende des ungewöhnlichen Sommersemesters nach, welche Lernplattformen und Methoden sich bewährt haben, was Schülerinnen und Lehrerschaft aus der Zeit des Fernunterrichts mitnehmen, ob es mehr digitale Fortbildungen für Pädagoginnen und Pädagogen braucht und welche Konsequenzen das Homeschooling für unser Bildungssystem hat.

Redaktion: Franz Zeller
Moderation: Wolfgang Ritschl


19:30 Das Ö1 Konzert
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigentin: Mirga Grazinyte-Tyla; Anika Vavic, Klavier. Mieczyslaw Weinberg: Suite Nr. 4 aus dem Ballett "Der goldene Schlüssel" op. 55d * Alexander Skrjabin: a) Konzert für Klavier und Orchester fis-Moll op. 20; b) Zugabe der Solistin: Danse languide aus: Quatre Morceaux op. 51) * Jean Sibelius: Lemminkäinen-Suite op. 22 (aufgenommen am 15. Jänner 2016 im Großen Konzerthaussaal in Wien).
Präsentation: Gerhard Hafner


21:55 Schon gehört?
Die Ö1 Club-Sendung. Aktuelle Veranstaltungen und Angebote der Ö1 Kulturpartner.


22:00 Ö1 Nachtjournal


22:08 Saldo – das Ö1 Wirtschaftsmagazin


22:23 Kontext – Sachbücher und Themen
Redaktion: Wolfgang Ritschl


23:00 Nachrichten


23:03 Zeit-Ton
Lukas König. Keymaster am Schlagzeug

Der 31-jährige österreichische Schlagzeuger Lukas König ist Viele: Sein musikalischer Kosmos strahlt von Jazz, Pop, Neuer Musik, Elektronik, Experimentellem bis zu Rap. Begonnen hat alles im Jahr 2004 mit der Gründung der Jazzwerkstatt Wien. Die Musiker/innen der Jazzwerkstatt pflegen einen "kreativen Zugang zur Tradition des Jazz, um diese abseits des Mainstreams weiterzuentwickeln". Lukas König fühlte sich von diesem Umfeld inspiriert und traf so seine zukünftigen Partner/innen mit denen er Aufsehen erregende Bands formierte, wie Kompost 3 und das Performance-Duo König Leopold. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Des Weiteren begeistere König mit der Avantgarde-Pop-Formation 5K HD und Mopcut, dem Trio mit der Stimmperformerin Audrey Chen und dem experimentellen Gitarristen Julien Desprez, 2018 feierte es beim Donaufestival in Krems seine Premiere.

Aber Lukas König wäre nicht Lukas König, wenn da nicht wieder etwas Neues zu ertüfteln wäre, unlängst brachte er unter seinem Pseudonym Koenig sein zweites Solo-Album "Messing" beim Wiener Label Ventil Records heraus. Darauf konzentriert er sich auf ein einziges Becken – es besteht aus dem Material Messing – als Klangquelle, albert damit herum (der Albumtitel verweist auch auf "messing around") und entdeckt dabei akustisch neue Spielräume, er experimentiert etwa mit Kontaktmikrofonen am Becken. Diese Reduktion auf nur ein Becken lässt sich laut Lukas König auf den Verlust seines Proberaums und zusätzlich akuten Platzmangel zurückführen, was auch mit seinem ständigen Pendeln zwischen New York und Wien zusammenhängt. Spontan wurde also ein Lager gemietet und zum Proberaum umfunktioniert.

"Messing" ist ein weiterer Schritt in Königs künstlerischer Entwicklung, der Drang nach Veränderung und Freiheit klingt durch das Metall, das ja bekannt ist für seine klangliche Vielseitigkeit.

Gestaltung: Marlene Schnedl


00:00 Nachrichten


00:05 Intrada
Österreichs Musizierende im Porträt.
(Wiederholung von 10:05 Uhr).


01:00 Nachrichten


01:03 Die Ö1 Klassiknacht

dazw. 3:00 und 5:00 Uhr Nachrichten
 

– Änderungen und Ergänzungen vorbehalten –
 

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Quelle:
Radio ORF1 – Programminformationen
25. Woche – 13.06. bis 19.06.2020
Österreichischer Rundfunk ORF
Würzburggasse 30, 1136 Wien, Österreich
Tel. 0043-1/87 87 8-0, Fax 0043-1/87 87-330
Internet: www.orf.at


veröffentlicht im Schattenblick zum 5. Juni 2020

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