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JUSTIZ/7845: Kriminalität und Rechtsprechung - 11.07.2018 (SB)


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Kalifornisches Gericht läßt Klagen gegen Monsanto zu

In Kalifornien hat ein Bundesgericht am Dienstag mehrere hundert Klagen wegen möglicher Gesundheitsschäden durch das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup des Agrochemiekonzerns Monsanto zugelassen. Die mehr als 400 Kläger - Patienten mit dem Non-Hodgkin-Lymphom und Angehörige - werfen dem Konzern vor, wider besseren Wissens lange Zeit nicht vor den von seinem Produkt ausgehenden Gefahren gewarnt zu haben. Monsanto beruft sich bei der Zurückweisung der Vorwürfe auf mehr als 800 Untersuchungen, bei denen kein direkter Zusammenhang zwischen dem von ihm in den 70er Jahren entwickelten Herbizid und Krebserkrankungen nachgewiesen wurde. Die Einschätzung wird auch von der US-Umweltbehörde EPA sowie den zuständigen Behörden in Deutschland und der EU vertreten, während die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend bei Menschen eingestuft hat.

Der Annahme der Klagen durch den kalifornischen Richter Vince Chhabria waren jahrelange Rechtsstreitigkeiten und zuletzt eine mehrwöchige Anhörung vorausgegangen. Zum Auftakt des Prozesse vor dem Gericht in San Francisco ging es unter anderem um das Verfahren zur Auswahl der Geschworenen. Die Klage des schwerkranken 46jährigen Dewayne Johnson wird bereits seit Juni verhandelt. Das Verfahren wird wegen dessen Krankheit beschleunigt abgewickelt. Mit einem Urteil ist noch in diesem Sommer zu rechnen. Johnsons Anwalt Timothy Litzenburg vertritt nach eigenen Angaben mehrere hundert weitere Betroffene, die möglicherweise durch Glyphosat geschädigt wurden.

Der Saatgut- und Pestizidhersteller wurde im Juni vom deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen Bayer AG aufgekauft.

11. Juli 2018


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