Schattenblick → INFOPOOL → NACHRICHTEN → VOM TAGE


SONSTIGES/7819: Tragisches und Kurioses - 11.07.2018 (SB)


VOM TAGE


Hinterbliebene wütend über geringe Strafen für Grubenbetreiber

Vor gut vier Jahren kam es in Soma in der Westtürkei zu der verheerendsten Bergwerkskatastrophe in der Geschichte des Landes. 301 Bergleute wurden Opfer eines Grubenbrandes in den dortigen Braunkohlestollen. Die meisten Kumpel erstickten. Außerdem gab es fast 500 Verletzte.

Zwar stellten Experten fest, daß es unter Tage zu einer Selbstentzündung gekommen war, aber Bergleute hatten die Werksleitung bereits zwei bis drei Wochen vorher davon unterrichtet, daß sie gefährlich heiße Kohle förderten. Die Arbeiter wurden jedoch aufgefordert, einfach ihre Arbeit zu machen.

Bei den jetzt abgeschlossenen Gerichtsverfahren, die heute mit den Urteilsverkündungen enden, gab es zwar um die 40 Angeklagte, denen eine Mitschuld an der Katastrophe zur Last gelegt wurde, aber die Freiheitsstrafen für die Hauptangeklagten Direktoren, Manager und sonstigen Verantwortlichen fielen eher milde aus. So muß der Werksdirektor für 22 Jahre hinter Gitter und sein technischer Leiter noch ein halbes Jahr länger, aber alle anderen Urteile liegen darunter.

Das brachte vor allem die Hinterbliebenen und deren Rechtsanwälte auf. So wurden die Richter beschimpft und ausgebuht. Viele verließen laut protestierend den Saal. Sie hatten erwartet, daß die elf Hauptverantwortlichen zu mehrmals lebenslänglicher Haft verurteilt würden, weil nur so gewährleistet scheint, daß sie wirklich für lange Zeit einsitzen müssen. Gefängnisstrafen werden in der Türkei nämlich bei guter Führung meistens halbiert.

11. Juli 2018


Zur Tagesausgabe / Zum Seitenanfang