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SCHACH-SPHINX/01697: Allzu verliebt in das Alte (SB)


Daß es sich überhaupt zu einem Gespenst aufbauschen konnte, diese Rede vom Remistod! Nun gut, die beiden ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hatten im Schachsinne nicht viel Neues gebracht, und da sich die Meister jener Zeit stillschweigend auf ein begrenztes Repertoire an Eröffnungen geeinigt hatten, endeten viele Partien in der Tat mit einem schrecklich langweiligen Remis. Hier hatten sich im Erklärungsmodell freilich Ursache und Wirkung vertauscht. Nicht die Meister spielten nahezu vollkommenes Schach, sondern sie gingen dem Streit einfach tunlichst aus dem Wege. Die 20ziger Jahre waren dann von einem anderen Blut. Viel temperamentvoller und auch aufgeschlossener für neue Ideen. Die Welt hatte schließlich einen Krieg hinter sich gebracht. Nun lief alles, was Beine, Hand und Kopf hatte in Kultur und Geistesleben einem schwungvolleren Ziele zu. Auch im Schach vollzog sich dieser Schritt mit. Einen Remistod kann es per Definition ja nur geben, wenn man keine Fehler macht. Nun könnte ein Biedermann einwerfen, wer immer das Richtige macht, begeht keine Unschicklichkeit. Na eben, das war auch der trügerische Irrtum des frühen 20. Jahrhunderts. Im heutigen Rätsel der Sphinx blieben Fehler nicht aus, einesteils, weil die Kontrahenten recht schnell Neuland betreten hatten, und zum anderen weil eben nichts gesünder für eine Entwicklung ist, als Fehler zu machen, die neue Gedanken aufwerfen. Ein lehrreicher Mißgriff war zweifelsohne der letzte schwarze Zug mit 1...a6xb5, Wanderer.



SCHACH-SPHINX/01697: Allzu verliebt in das Alte (SB)

Newerow - Karpeschow
St. Petersburg 1997

Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Dem weißen Springer mußte also das Feld f3 verwehrt werden, drum zog Nona Gaprindaschwili 1...e6-e5! 2.Td4-d5 e5-e4 und drohte nun mit dem Damenausfall nach h2. Edith Keller-Herrmann war daher zu 3.g2-g3 gezwungen, eine Schwächung, die sich rächte. Nach 3...f7-f5 4.Te1-d1 Dc7-c3 5.Kf1-g2 Sc1-d3 mußte der weiße Springer ziehen und durfte es dennoch nicht wegen der Drohung 6...Tc2xf2+ In diesem Dilemma steckend, gab die Dresdnerin daher auf.


Erstveröffentlichung am 28. April 1998

01. April 2009