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SCHACH-SPHINX/02123: Zuviel Furcht vor dem frechen Springer (SB)


Die erhoffte Zäsur blieb aus. Nachdem Garry Kasparow und Wladimir Kramnik das Kandidatenmatch boykottiert hatten, ruhten schließlich alle Hoffnungen auf den Inder Viswanathan Anand. Schon zu lange, so meinten viele, säße ein ergrauter Regent auf dem FIDE-Thron. Anatoli Karpow genoß nach einigen fragwürdigen Entscheidungen des Weltschachbundes kein hohes Ansehen in der Schachwelt. Kein Wunder also, daß der Inder mit der Rückendeckung von Millionen Fans in den Weltmeisterschaftskampf ging. Doch so einfach ließ sich ein Karpow nicht entthronen. Nach einem 3:3 in der Hauptrunde konnte Karpow seinen Titel schließlich in den beiden Partien mit verkürzter Bedenkzeit verteidigen, also in der ausdrücklichen Domäne von Anand, der ja als einer der besten Schnellschachspieler zumindest vor diesem Match galt. Einen Höhepunkt hatte der Wettkampf vor der sechsten regulären Partie erreicht. Karpow führte mit 3:2. Ein Remis, und er hätte freudestrahlend nach Hause fahren können. Doch Anand war in bester Kampfeslaune und überraschte Karpow gleich mit dem ersten Zug. Statt gewohnheitsmäßig 1.e2-e4 zu spielen, griff der Inder zu 1.d2-d4 und wählte dann die Trompowsky-Eröffnung, die damit ihr Debüt in den Weltmeisterschaftskämpften feierte. Im heutigen Rätsel der Sphinx hatte Anand zuletzt 1.Sf4-g6 gezogen, worauf Karpow in der Verkennung der Lage 1...De7-d8? erwiderte und nach 2.Sg6xh8 Lc6xf3 3.Sh8-f7 Dd8- h4 4.Df2xf3 - 4.Df2xh4? Tg8xg2+ 5.Kg1-h1 Tg2-f2+ 6.Kh1-g1 Tf2-g2+ mit Remis durch ewiges Schach - 4...Dh4xd4+ 5.Kg1-h1 auf verlorenem Posten stand. Nun, Wanderer, wie hätte Karpow das Gleichgewicht der Kräfte zumindest notdürftig behaupten können?



SCHACH-SPHINX/02123: Zuviel Furcht vor dem frechen Springer (SB)

Anand - Karpow
WM 1998

Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Nein, nein! sagte Mr. Ashley, langwierige Prozeduren sind mir ein Greuel, und setzte in sieben Zügen matt: 1.Tb1xb7+! Ka7xb7 2.Sd7xc5+ Kb7-b6 3.Df7-b7+ Kb6xc5 4.Ld2-b4+ - ein kleiner Schönheitsfehler unterlief ihm dennoch, mit 4.Db7-c6+ Kc5-d4 5.Ld2-c3# wäre die Partie etwas rascher verstummt - 4...Kc5-d4 5.Db7-b6+ Kd4-c4 6.Te1-e4+ Kc4xd5 7.Db6-e6#


Erstveröffentlichung am 11. Oktober 1998

22. August 2009