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SCHACH-SPHINX/02187: Positionell aufgefrischtes Gambit (SB)


Erstmals ins literarische Licht wurde das Königsgambit in den Schriften des spanischen Schachmeisters Ruy Lopez gerückt. Das war um 1561, und seitdem hat es einen unbeschreiblichen Aufschwung genommen. Das 19. Jahrhundert war geradezu vernarrt in dieses Gambit, und kaum ein Turnier verging, wo nicht die eine oder andere Variante dieses frühen Opferspiels eingehend auf Herz und Nieren geprüft wurde. Die Strategie jener Tage war einfach gestrickt. Im Vordergrund stand der mit allen Mitteln voranzutreibende Angriff auf den gegnerischen König. Auch in der Verteidigung wählte man zumeist aggressive Erwiderungen im Kampf um die Initiative, was natürlich mit hohen Gefahren verbunden war, die dann auch die hohe Gewinnquote der Weißsiege erklären. Mit wachsender Besonnenheit und dem Aufdecken solider Verteidigungspfade schwand auch das Interesse am Königsgambit, bis es in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts völlig zum Erliegen kam. Eine lange Geschichte schien zu ihrem Ende gekommen zu sein. Doch der Schein trügte. Im Untergrund gewissermaßen, auf den Analysebrettern junger aufgeschlossener Jungmeister, unter denen allen voran Paul Keres genannt werden muß, entwickelte sich eine neue Idee zur Anpassung an die modernen Strategiekonzepte. Nicht mehr wie früher bloß auf den Königsangriff ausgerichtet, sondern positionell durchdacht, erlebte das Königsgambit in den 30er Jahren eine Renaissance. Den Zutritt zur großen Turnierwelt schaffte dies alte Gambit zwar nicht, aber von einer Widerlegung konnte auch nicht mehr die Rede sein. Hin und wieder taucht es auch auf hoher Großmeisterebene auf wie im heutigen Rätsel der Sphinx, entnommen aus der Schacholympiade 1986 in Dubai. Opfer des positionell aufgefrischten Königsgambits wurde der englische Großmeister John Nunn. Weiß war am Zuge, mußte jedoch unwiderruflich den Verlust des vorgeschobenen c-Bauern entgegensehen. Dank einer kleinen Feinheit konnte er dennoch den Sieg erringen, Wanderer.



SCHACH-SPHINX/02187: Positionell aufgefrischtes Gambit (SB)

Ilescas - Nunn
Dubai 1986

Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Der Budapester Großmeister Andras Adorjan löste das Stellungsproblem mit einem eleganten Damenopfer. Nach 1...Tc8xc2!! 2.Sd4xe3 Tc2xb2 3.Df1-e2 g5-g4! 4.f3-f4 Sf6xe4! 5.Se3-f1 Se4xd2 6.Td1xd2 Tb2xd2 7.Sf1xd2 Se5-f3 8.De2-c4 Ta2xd2+ 9.Kg2-f1 Le7-f6! blieben von der weißen Stellung nur Ruinen übrig. Wegen der vernichtenden Drohung 10...Lf6-d4 mußte sich der Brite Miles geschlagen geben.


Erstveröffentlichung am 07. November 1998

13. September 2009