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SCHACH-SPHINX/05788: Dilaram und Nourjehan (SB)


Wie in ein märchenhaftes Gewand gekleidet, begegnen uns die alten überlieferten Schachprobleme aus dem Perserland. Ihre erzählerische Leidenschaft schmückte die Stellungsrätsel meistens mit einer rührenden Begleitstory. So wird berichtet, daß der Dichter und Schachlehrer al Suli seine Tochter Dilaram mit einem Meister des Fachs vermählen wollte. Viele baten um die Hand der schönen Dilaram, wurden jedoch samt und sonders abgewiesen, da sie die edle Schachkunst nicht ausreichend beherrschten. Die Ansprüche des Dichters waren sehr hoch und kein Bewerber schien sie erfüllen zu können. Da platzte einem der Freier der sprichwörtliche Kragen, und er sann darauf, die Dichterstochter zu entführen. Wie es nun einmal in solchen Geschichten üblich ist, tauchte just in diesem Augenblick ein Prinz mit dem Namen Nourjehan auf und rettete Dilaram aus den Fängen des Frauenräubers. Daß dieser Prinz nicht nur ein Held, sondern auch ein ruhmgekrönter Schachmeister war, verstand sich von selbst. Jedenfalls kam es bald darauf zur Heirat. Eines Tages erschien jedoch ein indischer Fürstensohn, ein unschlagbarer Kenner der Schachmaterie. Alle persischen Meister wurden von diesem geschlagen, auch Nourjehan. Und weil es damals üblich war, daß man um einen Wettpreis spielte, verlor der persische Prinz nach und nach einen Großteil seines Vermögens. Zuletzt besaß er kaum etwas, was er als Pfand hätte einsetzen können, bis auf seine Gemahlin, und um diese spielten der Perser und der Inder sodann. Schließlich entstand die Stellung im heutigen Rätsel der Sphinx. Nourjehan mit Weiß schien in einer aussichtslosen Situation zu stecken. Sein Hab und Gut hatte er bereits eingebüßt, nun drohte ihm auch noch der Verlust seiner geliebten Gattin. Schon wollte Nourjehan, um seine Ehre zu verteidigen, zum Schwert greifen, da rief die schöne Dilaram plötzlich aus: "Gib' ihn den Turm und rette dein Weib!" Als Tochter des berühmten Schachlehrers al Suli verstand sie selbstredend eine Menge vom Königlichen Spiel. Also, Wanderer, welche Siegeskombination hatte Dilaram ausgespäht, um sich und die Ehre ihres Gemahls zu retten?



SCHACH-SPHINX/05788: Dilaram und Nourjehan (SB)

Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Maróczy war zu excellent in seinem Können, als daß er die Opferkombination 1...Ld6xh2+! 2.Kg1xh2 Sf6-g4+ hätte übersehen können. Sein Kontrahent Zambelly hatte darauf nur eine plausible Antwort, nämlich 3.Kh2-g3, denn 3.Kh2-h3 scheiterte an 3...Sg4xf2+ und 3.Kh2-g1 war nicht angängig wegen 3...Db6-h6 4.Tf1-e1 Dh6-h2+ 5.Kg1-f1 Dh2-h1+ 6.Kf1-e2 Dh1xg2 7.Te1-f1 Sg4-h2. Aber auch der gewählte Königszug versprach keine Rettung. Maróczy fand eine bezaubernde Mattattacke: 3...Db6-c7+ 4.f2-f4 e4xf3+ 5.Kg3xf3 Td8-d4! 6.d2-d3 Lc8-b7+ 7.Sc3-e4 Lb7xe4+ 8.Kf3xg4 Dc7-h2 9.d3xe4 Dh2xg2+ 10.Kg4-h4 Tb8xb5 11.Dd1xd4 Tb5- h5+! 12.Kh4xh5 Dg2-h3+ 13.Kh5-g5 h7-h6+ 14.Kg5-f4 g7-g5+ 15.Kf4-e5 Dh3- e6#


Erstveröffentlichung am 11. April 2003

27. März 2016


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