Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) - Pressemitteilung vom 24. Juli 2025
Messkampagne CROPEX25 für Europas Umweltbeobachtung abgeschlossen
Testflüge über Bayern liefern Daten für neue Erdbeobachtungsmissionen Radaraufnahme über dem Messgebiet Puch im X-Band
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• Mit umfassenden Flug-, Boden- und Satellitenmessungen bei
München lieferten interdisziplinäre Forschungsteams wichtige Daten zur
Vorbereitung der Umweltmissionen ROSE-L und CHIME.
• Das DLR koordinierte dabei die viermonatige Messkampagne
CROPEX25 im Auftrag der ESA.
• Die Ergebnisse helfen, die Analyseverfahren für
landwirtschaftliche Erdbeobachtungsdaten zu entwickeln, und sie
leisten einen wichtigen Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit und
Nachhaltigkeit.
• Schwerpunkte: Raumfahrt, Erdbeobachtung, Umweltbeobachtung
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Wie gesund ist unser Boden? Und wie lassen sich Veränderungen
frühzeitig erkennen? Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt
(DLR) hat gemeinsam mit anderen Forschungseinrichtungen diese Fragen
im Frühjahr und Sommer 2025 über der Region Puch nahe München intensiv
untersucht. Im Rahmen der Messkampagne CROPEX25 wurden
landwirtschaftliche Flächen über einen gesamten Vegetationszyklus
hinweg regelmäßig mit Forschungsflugzeugen überflogen sowie am Boden
vermessen - mit modernsten Sensoren, Radar- und Kamerasystemen.
CROPEX25 ist Teil der Vorbereitung für die europäischen
Copernicus-Erdbeobachtungsmissionen ROSE-L und CHIME. Ziel ist es, die
Landwirtschaft künftig aus dem All noch besser unterstützen zu können,
etwa durch die globale Erfassung von Bodenfeuchte, Biomasse oder
Vegetationsbedeckung.
Koordiniert wurde die Kampagne vom DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Beteiligt waren auch die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sowie das Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften (GFZ). Parallel und ergänzend dazu erstellte das DLR Earth Observation Center (EOC) Hyperspektral-Aufnahmen mit seinem Kamerasystem HySpex und wöchentliche Drohnen- sowie spektrale Boden- und Atmosphärenmessungen.
Im Mittelpunkt der CROPEX25-Messungen stand das hochleistungsfähige flugzeuggestützte Radarsystem F-SAR des DLR-Instituts für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme, mit dem die Forschenden wiederholt alle sechs Tage Überflüge des Testgebiets durchführten. Dies entspricht den zukünftig geplanten Überflügen des ROSE-L-Satelliten, dessen Start für Anfang 2029 geplant ist. F-SAR nahm dabei einen weltweit einmaligen Datensatz in vier verschiedenen Frequenzbereichen (X-, C-, S- und L-Band) auf. Insgesamt führte das Radarteam 23 Messflüge durch. An speziellen Tagen fanden die Flüge jeweils morgens, mittags und abends statt, um mögliche tägliche Veränderungen des Bodens und der Pflanzen festzuhalten.
Die Datenerfassung erfolgte mit innovativen bildgebenden Verfahren wie Polarimetrie, Interferometrie und Tomographie. Dazu flogen die erfahrenen Testpiloten des DLR die vorgegebenen Pfade metergenau ab, unterstützt durch das im F-SAR integrierte satellitengestützte Navigationssystem. Parallel zu jedem Flug sammelte ein Team der LMU Bodenmessdaten mit Boden- und Vegetationsparametern, wie etwa Bodenfeuchte, Oberflächenrauigkeit, Pflanzen-Wassergehalt und Pflanzen-Biomasse. Für die Radarmessflüge kam das DLR-Forschungsflugzeug Dornier Do228-212 zum Einsatz, das von der DLR-Einrichtung Flugexperimente in Oberpfaffenhofen betrieben wird und speziell für den Einsatz modifiziert wurde.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GFZ sammelten zusätzlich Bodenproben, um deren organische und mineralische Zusammensetzung zu analysieren. In einem Weizenfeld kam außerdem ein spezielles Scatterometer der ESA zum Einsatz, das Veränderungen in der Pflanzenstruktur automatisiert kontinuierlich erfasst. Darüber hinaus wurden auch multi- und hyperspektrale Sensoren des DLR Earth Observation Center (EOC) eingesetzt. Das DLR-Forschungsflugzeug Cessna 208B Grand Caravan mit dem DLR-Kamerasystem HySpex lieferte dabei wichtige Vergleichsdaten zu existierenden Satelliten wie Sentinel-2, EnMAP, DESIS oder PRISMA. Anhand der Hyperspektral-Aufnahmen von HySpex können die Forschenden wichtige biophysikalische Parameter ableiten, insbesondere die oberirdische Biomasse, den Anteil der Vegetationsdecke und die Bodenfeuchtigkeit. Mit den neuen Daten entwickeln die Erdbeobachtungsspezialisten des DLR auch Auswertungsmethoden für die kommende Satellitenmission CHIME weiter.
Als Testgebiet für die Messungen diente die landwirtschaftlich geprägte Region rund um Puch, nahe München. Sie besteht aus wenigen Dörfern mit einigen Waldstücken und mehr als 80 Prozent landwirtschaftlicher Fläche. Auf den Testflächen wurden 15 Felder ausgewählt, die verschiedene Kulturarten repräsentieren. So stellten die Forschungsteams sicher, dass sie umfassende Messdaten sammeln können. Die meisten Felder gehören den Bayerischen Staatsgütern, einem Betrieb des Freistaats Bayern, die die Datenerhebungen genehmigt haben.
Die CROPEX25-Kampagne zeigt, wie wichtig interdisziplinäre Kooperation in der Umweltforschung ist. Die beteiligten Teams kombinierten ihre Daten zu einem detaillierten Bild des Pflanzen- und Bodenzustands. Gemeinsam entwickelten sie neue Analyseverfahren, die künftig helfen sollen, Umweltrisiken frühzeitig zu erkennen und nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. In den neuen, umfassenden Datensätzen spiegelt sich die enge und interdisziplinäre Zusammenarbeit der Forschungsteams wider.
Mit Blick auf den globalen Wandel sind dringend hochleistungsfähige
Satellitensysteme gefragt, die den Zustand von landwirtschaftlichen
Feldern dokumentieren und Informationen über den Zustand der Pflanzen
liefern können. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Messkampagne hat
das DLR einen entscheidenden Beitrag zur Vorbereitung der nächsten
Generation von Umweltsatelliten geleistet - und damit einen weiteren
Schritt in Richtung präziser, globaler Erdbeobachtung gemacht.
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Über die Mission ROSE-L
Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus wird mit der
Mission ROSE-L (Radar Observation System for Europe in L-band)
kritische Umweltveränderungen erfassen. Der Satellit soll 2029 starten
und mit seinen Radardaten die Überwachung von europäischen Georisiken
wie auch Oberflächenbewegungen erheblich verbessern. ROSE-L
unterstützt verbesserte Kartierungen für die Waldbewirtschaftung,
liefert wichtige Informationen für die Landwirtschaft und die
Lebensmittelsicherheit. Dank der Messungen im langwelligen L-Band kann
die Mission künftig unter anderem die Bedeckung der Landoberfläche
global klassifizieren, den Feuchtigkeitsgehalt in Böden ermitteln
sowie Bodensenkungen detektieren. ROSE-L liefert auch Daten über den
Meeresgebieten und trägt zur Überwachung der Arktis bei, indem es neue
Informationen über Meereis, Eisberge, Gletscher und Eiskappen liefert.
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Bildunterschriften der im Schattenblick nicht veröffentlichten
Abbildungen der Originalpublikation:
• Die im Rahmen der CROPEX25-Kampagne aufgenommenen polarimetrischen Radardaten (hier im X-Band mit drei Zentimeter Wellenlänge) erlauben eine Einfärbung der Bilder entsprechend ihrer physikalischen Eigenschaften. Blau deutet auf Oberflächenstreuung hin, zum Beispiel auf einem frisch ausgesäten Acker. Rot zeigt Zweifachstreuung an, zum Beispiel an Häuserwänden und der Erdoberfläche, und in Grün erscheinen Bereiche mit Mehrfachstreuung innerhalb eines Volumens, zum Beispiel einem Getreidefeld oder dem Kronenbereich eines Waldes. Bild: 1/7, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)
• Entwicklung der Vegetation im Verlauf von mehreren Wochen
Das Radarbild der bayerischen Testregion Puch zeigt die Entwicklung
der Vegetation von April bis Juli 2025 in etwa zweiwöchigem Abstand
(von links nach rechts): Jeder Bildteil zeigt eine Radaraufnahme der
gleichen Region im Verlauf der Messkampagne im X-Band. Deutlich sind
die Veränderungen der Farben auf den Feldern im Verlauf der Zeit zu
erkennen. Dies ist ein eindeutiges Signal, dass sich der Zustand des
Bodens und die Vegetation durch Bodenbedeckung und Pflanzenwachstum
verändert haben. Bild: 2/7, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)
• Das Forschungsflugzeug Dornier Do228-212 D-CFFU mit
eingebautem F-SAR-System. Das Radarsystem selbst ist in der Kabine
eingebaut, die Antennen für die verschiedenen Wellenlängen (hier im
X-, C-, S- und L-Band) sind an einem Antennenträger auf der rechten
Seite des Rumpfs montiert. Bild: 7/7, Credit: DLR (CC BY-NC-ND
3.0)
Weiterführende Links
Mehr über das Radarsystem F-SAR
https://www.dlr.de/de/hr/forschung-transfer/projekte/projekt-f-sar
DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme
https://www.dlr.de/de/hr
DLR Earth Observation Center (EOC)
https://www.dlr.de/de/eoc
Über Copernicus und die Sentinel-Satelliten
https://www.dlr.de/de/eoc/forschung-transfer/themen/copernicus
ROSE-L - Radar Observing System for Europe L-band SAR
https://d-copernicus.de/daten/satelliten/satelliten-details/news/rose-l-radar-observing-system-for-europe-l-band-sar/
CHIME - Copernicus Hyperspectral Imaging Mission
https://d-copernicus.de/daten/satelliten/satelliten-details/news/chime-copernicus-hyperspectral-imaging-mission/
Originalmeldung mit Bildern:
https://www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2025/testfluege-ueber-bayern-liefern-daten-fuer-neue-erdbeobachtungsmissionen
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Quelle:
DLR-Presse-Information, 24.07.2025
Herausgeber:
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
Linder Höhe, 51147 Köln
Tel.: +49 2203 601-0, Fax: +49 2203 601-10
E-Mail: contact-dlr[at]dlr.de
Internet: www.dlr.de
veröffentlicht in der Online-Ausgabe des Schattenblick am 1. August 2025
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