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ANEKDOTENKÜCHE - EIER/005: Kaiserschmarren - Österreich (SB)


ANEKDOTENKÜCHE - ÖSTERREICH

Kaiserschmarren


Sommertag auf Waldwacht

Der Morgentau lag noch auf den unzähligen kleinen Blüten, als Marlies den gewundenen Wiesenpfad entlangschritt. Sie wollte hinauf zur Bergwachthütte, um ihren Bruder Fritz zu besuchen, der für diesen Sommer die Waldwacht übernommen hatte. Frohgemut blickte sie hinauf zu den Bergspitzen, die selbst jetzt im Juni mit Schnee bedeckt waren. Doch so hoch hinaus wollte sie heute nicht, obgleich bestimmt noch vier Stunden Weg über steinige, schmale Bergpfade vor ihr lagen.

Bald hatte sie das Tal hinter sich gelassen, in dem sich langsam das Dorfleben zu regen begann und trat beinahe andächtig in die grünen Schatten des Waldes. Tief atmete sie den harzigen Duft der Tannen ein. Der schmale Pfad führte nun steil bergan und wurde dabei immer wieder von knorrigen Baumwurzeln durchbrochen. Felsige Hänge ragten aus dem Unterholz hervor. Manchmal befand sich sogar eine finstere Höhle darin. Aber Marlies fürchtete sich nicht vor ihrer Dunkelheit, denn gemeinsam mit ihrem Bruder hatte sie schon als Kind jede Höhle erkundet, die sie in der Umgebung entdecken konnten.

Inzwischen war sie schon über drei Stunden gewandert und die Luft war viel wärmer geworden. Ihr Weg wurde von einem Bergbach begleitet, der über bunte Kiesel und glatte graue Felssimse sprang. Der Wald hatte sich mit zunehmender Höhe gelichtet und Marlies konnte in der Ferne ganz winzig die Bergwachthütte erkennen, die auf einem felsigen Hang ein Stück weit hinter der Baumgrenze stand.

Der wachsame Fritz hatte seine Schwester schon erblickt und winkte ihr vom Balkon aus zu. Natürlich freute er sich, ein wenig Gesellschaft zu bekommen, obwohl er das Marlies gegenüber nie recht zugeben mochte. Aber sie wußte es trotzdem. In ihrem Rucksack hatte sie frische Eier, ein Fläschchen Sahne und was man sonst so benötigt, um einen echten Kaiserschmarren zuzubereiten. Denn darin waren sich die beiden Geschwister einig: Es gab kaum etwas Schöneres, als auf dem Balkon der Bergwachthütte zu sitzen, den Blick weit über das wogende Meer der Baumwipfel schweifen zu lassen wie ein Adler in den Lüften und dabei einen herrlichen Kaiserschmarren zu genießen.


*


KAISERSCHMARREN
(für 2 Personen)

6 Eier
150 g Mehl
100 ml Schlagsahne
20 g Zucker
1 Tütchen Vanillinzucker
50 g Mandelsplitter
1 Prise Salz
35 g Butter
30 g Rosinen
1 EL Puderzucker

Eigelb und Eiweiß trennen. Dann das Mehl, die Sahne und eine Prise Salz mit den Eigelb verrühren, so daß ein klümpchenfreier Teig entsteht.

Das Eiweiß mit dem Zucker und dem Vanillinzucker zu steifem Eischnee schlagen und unter die Eigelbmasse ziehen.

In einer Pfanne die Hälfte der Butter erhitzen und zuerst die Hälfte der Mandelsplitter und dann die Hälfte des Teigs hineingeben. Bei mittlerer Hitze etwa 4 Minuten braten, bis der Schmarren sich auf der Unterseite goldbraun färbt. Den Schmarren wenden und auch von der anderen Seite leicht anbräunen.

Kurz vor Ende der Bratzeit den Schmarren mit Rosinen bestreuen. Zum Schluß den Schmarren in Stücke zupfen und mit dem Puderzucker überstäuben.

Kaiserschmarren kann man mit Marmelade oder einem Früchtekompott servieren.

Kaiserlich lecker!


Erstveröffentlichung am 15. Dezember 1996

29. Juni 2007