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MÄRCHENKOCH - FISCH/001: Fischstäbchen mit rosa Kartoffelpüree (SB)


PRINZESSIN TAUSENDSCHÖN


Es lebten einmal ein König und eine Königin, die hatten drei Söhne, aber sie sehnten sich sehr nach einem Töchterchen. Und als ihnen wirklich ein Mädchen geschenkt wurde, waren sie überglücklich. Aber als sie erkennen mußten, daß ihre Tochter von Geburt blind war, wollte der Kummer sie zunächst übermannen. Doch die kleine Prinzessin war stets so frohgemut und guter Dinge, daß sich die Sorge der Eltern bald verlor. Mochte es sein wie es wollte, sie waren glücklich mit ihrem Kind.

Die Prinzessin wuchs heran und wurde mit jedem Tag schöner und lieblicher. Weil sie sich aber niemals im Spiegel sah, kannte sie keine Eitelkeit und blieb einfach und bescheiden. So sehr glich ihr unbekümmertes Wesen den kleinen Blumen, die im Sommer überall im Schloßgarten prangten, daß sie von ihren Brüdern und der gesamten Dienerschaft bald nur noch Prinzessin Tausendschön genannt wurde.

Als Prinzessin Tausendschön alt genug war, um zu heiraten, brach in einem benachbarten Reich ein Krieg aus und ihre drei Brüder mußten in den Kampf ziehen. Schweren Herzens nahmen sie Abschied von ihrer Schwester, denn sie hatten sich sehr lieb. Die Prinzessin dachte jeden Tag an ihre Brüder und wünschte sich inständig, daß ihnen nichts geschehen mochte.

Eines Morgens, es war schon Sommer und die Prinzessin saß im Schloßgarten inmitten der duftenden Tausendschönchen, traten die drei Prinzen gesund und unversehrt vor ihre Schwester hin. Der Krieg war endlich vorbei und sie waren heimgekehrt.

Das gab eine freudige Begrüßung und die Umarmungen wollten gar kein Ende nehmen. Aber nach einer Weile hob die Prinzessin lauschend den Kopf und wollte wissen, ob irgend etwas Sonderbares in der Nähe wäre. Da lachten die drei Prinzen übermütig und der älteste von ihnen sprach:

"Etwas Sonderbares sehen wir hier nicht, aber wir haben dir eine Überraschung mitgebracht. Es ist der Sohn des Königs, dem wir geholfen haben, sein Reich gegen die fremden Eindringlinge zu beschützen. Er steht dort hinten unter den Bäumen und schaut bewundernd zu dir herüber."

"Wenn er euer Freund ist, werde ich ihn gleich willkommen heißen", erwiderte die Prinzessin. "Seltsam, die Tausendschönchen - sie duften gar nicht mehr", setzte sie noch nachdenklich hinzu.

"Das wird an der Hitze liegen", vermutete der zweitälteste Prinz. "Da wird ihnen das Duften vergangen sein."

"Wir wollen dich mit unserem neuen Freund bekannt machen", ergriff nun der Älteste wieder das Wort. "Sein Name ist Prinz Siegreich, denn was er sich vornimmt, das gelingt ihm auch."

Als der fremde Prinz die Hand der Prinzessin ergriff und sehr respektvoll und freundlich mit ihr sprach, vernahm sie doch in seiner Stimme einen harten, fremden Klang, als ob zwei Schwertklingen aneinander entlangglitten. Die Brüder hatten kein solch feines Gehör und bemerkten es daher nicht, aber die Prinzessin durchlief ein kaltes Schaudern. Doch da sie ihren Brüdern nicht die frohe Laune verderben wollte, ließ sie sich nichts anmerken. So feierte der ganze Hofstaat die glückliche Heimkehr der Prinzen und man tanzte ausgelassen bis tief in die Nacht hinein.


*


Auch der König und die Königin freuten sich über den neuen Gast, der so edel und stattlich aussah, daß sie sich sogleich wünschten, er möge um die Hand von Prinzessin Tausendschön anhalten. Daher gab die Königin der Prinzessin zu verstehen, daß Prinz Siegreich ihnen als Schwiegersohn sehr willkommen sei. Und Prinzessin Tausendschön, die ihre Eltern nicht enttäuschen mochte, wurde das Herz schwer.

Am anderen Morgen hielten die drei Brüder Rat, was sie Prinz Siegreich alles zeigen wollten.

"Ich werde mit ihm im Wald auf die Jagd gehen", schlug der Älteste vor.

"Ich steige mit ihm auf den höchsten Berg und zeige ihm von dort aus unser Reich", erbot sich der zweitälteste Prinz.

"Und ich fahre mit ihm zum Fischen auf den See hinaus", ließ sich auch der Jüngste vernehmen.

Nur Prinzessin Tausendschön schwieg, aber von ihr hatte es auch niemand anders erwartet.


*


Der älteste Bruder, der Prinz Siegreich mit zur Jagd nehmen wollte, ließ die Pferde satteln und sich Büchse und Jagdhorn bringen. Und schon bald ritten sie unter fröhlichem Halali in den Wald hinein.

Es waren erst wenige Stunden verstrichen, als Prinz Siegreich allein aus dem Wald zurückkehrte. Die beiden anderen Brüder und die Prinzessin eilten herbei, um zu fragen, ob dem ältesten Prinz etwas zugestoßen war. Aber Prinz Siegreich lachte nur unbekümmert und sagte:

"Nein, eurem lieben Bruder ist nichts geschehen. Er traf nur unterwegs auf einen alten Kameraden, der ihn für sein Kind zu Gevatter bat. Euer Bruder konnte ihm die Bitte nicht abschlagen und wird erst in ein paar Tage zurückkehren."

Da waren es die beiden anderen zufrieden, nur Prinzessin Tausendschön hatte an seiner Stimme erkannt, daß er nicht die Wahrheit sprach. Aber als sie mit ihren beiden Brüdern allein war und es ihnen sagte, lachten sie nur.

"Prinz Siegreich hat uns im Vertrauen gesagt, daß er um deine Hand anhalten will. Daher hat er keinen Grund, seine künftigen Schwager zu belügen", suchte der zweitälteste Prinz seine Schwester zu beruhigen. Aber seine Worte ließen die Prinzessin nur noch verzagter werden.

Sie konnte es nicht verhindern, daß ihr zweitältester Bruder mit Prinz Siegreich aufbrach, um den höchsten Gipfel des Reiches zu erklimmen. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als sie sich auf den Weg machten. Aber sie waren guten Mutes, noch vor Einbruch der Dämmerung wieder im Schloß zu sein.

Als es Abend wurde, kehrte Prinz Siegreich abermals allein von dem Ausflug zurück. Und abermals erklärte er, auch den zweiten Prinzen hätte ein Kamerad zu Gevatter gebeten und er würde erst in einigen Tagen zurückkehren.

Diesmal schlug der jüngste Bruder die Warnungen der Prinzessin nicht in den Wind, obgleich es ihm schwerfiel, den strahlenden Prinz Siegreich für einen gemeinen Schurken zu halten. Er nahm sich vor, auf der Hut zu sein, nachdem er Prinz Siegreich eingeladen hatte, zum Abschluß des Tages noch einmal auf den See hinauszurudern und und die Angeln auszuwerfen.

Als er mit Prinz Siegreich die Mitte des Sees erreicht hatte, verwandelte sich dieser plötzlich in einen bösen alten Mann mit stechendem Blick.

"Wer bist du?" rief der jüngste Prinz erschrocken aus.

"Ich bin der Zauberer aus dem Nebelsumpf und ich werde dich jetzt in einen Fischreiher verwandeln, so wie ich deinen ältesten Bruder in einen Waldkauz und den zweitältesten in einen Bergfalken verwandelt habe", sagte der Alte und stieß ein häßlich meckerndes Lachen aus. "Und dann werde ich als Prinz Siegreich zum Schloß zurückkehren und der König wird mir die Prinzessin Tausendschön zur Frau geben. Und weil ihr drei Brüder niemals heimkehrt, werde ich eines Tages das Reich erben."

Mit diesen Worten ließ er seinen Zauberstab durch die Luft fahren und verwandelte den jüngsten Bruder in einen Reiher, der mit wütenden Schreien über das Wasser davonstob.

Prinzessin Tausendschön, die am Ufer gewartet hatte, hörte an den Schreien des Reihers, daß auf dem See etwas Furchtbares geschehen war. Voller Angst lief sie zu ihrem Vater und wollte ihm erzählen, daß dem jüngsten Prinzen auf dem See ein Leid geschehen war. Da betrat Prinz Siegreich die Halle und sprach zum König:

"Majestät, Euer jüngster Sohn begleitete mich zum Fischen auf den See. Da winkte ihn vom anderen Ufer einer seiner treuen Kameraden zu sich heran und bat ihn für sein Kind zu Gevatter. Euer gutherziger Sohn mochte es ihm nicht verwehren und hieß mich allein zurückrudern. Ich soll euch ausrichten, daß er in ein paar Tagen wieder zurück sein wird."

Da war der König beruhigt und wollte gar nicht mehr hören, was Prinzessin Tausendschön ihm zu sagen hatte. Als sie aber nicht aufhören wollte, auf ihn einzureden, wurde er schließlich unwillig und brummte:

"Statt dir lauter Hirngespinste in den Kopf zu setzen, solltest du lieber ans Heiraten denken."

Prinz Siegreich, der noch immer neben dem König stand, ergriff sogleich die Gelegenheit.

"Majestät, ich bitte um die Hand Eurer Tochter, Prinzessin Tausendschön."

"Darüber läßt sich reden", ging der König bereitwillig darauf ein, denn er hatte sich schon längst gefragt, ob sich überhaupt ein Freier für seine blinde Tochter finden würde. Und Prinz Siegreich erschien ihm vornehm und edelmütig, so daß die Prinzessin bei ihm sicher in guten Händen wäre.


*


In dieser Nacht fand Prinzessin Tausendschön keinen Schlaf. Verzweifelt ging sie schließlich hinunter in den Schloßgarten und bis an das Ufer des Sees hinab. Dort ließ sie sich nieder und weinte bitterlich.

Da vernahm sie auf einmal ein Rauschen, das aus der Tiefe des Sees kam. Und als sie lauschend den Kopf hob, hörte sie eine dunkle Stimme, die zu ihr sprach:

"Prinzessin Tausendschön, fürchte dich nicht, ich bin der König des Sees und habe das Unrecht mit angesehen, das deinem jüngsten Bruder widerfahren ist. Aber damit der böse Zauberer, der sich in der Gestalt des Prinzen Siegreich verbirgt, keinen Schaden anrichten kann, mußt du mich statt seiner zum Gemahl nehmen."

Die Prinzessin hörte am Klang der Stimme, daß der Herrscher des Sees es gut mit ihr meinte und willigte ein, ihn zu freien. Doch der König, dem Prinz Siegreich viel besser gefiel als der schmächtige, unscheinbare Seekönig, wollte ihm seine Tochter nicht zur Frau geben. Doch weil die Prinzessin beharrlich blieb, willigte er schließlich ein, sie mit dem Seekönig zu vermählen, denn er liebte sein Kind zu sehr, um ihr diesen Wunsch abzuschlagen.

Als Prinz Siegreich erfuhr, daß sein Plan nicht aufgegangen war, forderte er den Seekönig zum Kampf. Er wußte jedoch nicht, daß seine Zauberkraft im Reich des Seekönigs unwirksam war. Und als er dessen gewahr wurde, war es bereits zu spät. In der Tiefe des Sees stand er dem Seekönig, der in seiner Welt gar nicht mehr so schmächtig und unscheinbar aussah, sondern als stolzer Jüngling vor ihn hintrat, zum Kampf gegenüber. Der feige Zauberer wollte ihn in eine Forelle verwandeln, aber sein Zauber tat keine Wirkung mehr. Flugs wurde er in Ketten gelegt und dem Vater der Prinzessin übergeben, um über ihn Gericht zu halten.

Die drei Brüder der Prinzessin erhielten ihre ursprüngliche Gestalt zurück und es wurde eine prächtige Hochzeit ausgerichtet, auf der es Speise und Trank in Hülle und Fülle gab. Zum Zeichen der Verbundenheit ihrer beiden Reiche ließ der Vater der Prinzessin von seinen Köchen die Früchte der Erde, Kartoffel und Rote Rübe, zubereiten, und der Seekönig trug seinerseits die Früchte seines Reiches, den köstlichsten Fisch, dazu bei. Es wurde ein herrliches Mahl, bei dem die Bewohner beider Reiche tiefe Freundschaft schlossen.

Die Prinzessin aber zog als Königin in das Reich des Seekönigs ein, und weil es eine andere Welt war, in der man nicht mit den Augen sieht, sondern mit dem Herzen, war sie auch nicht mehr blind und lebte glücklich mit ihrem Gemahl bis ans Ende ihrer Tage.


*


FISCHSTÄBCHEN MIT ROSA KARTOFFELPÜREE
(für 2-3 Personen)

1 Packung Fischstäbchen
Margarine zum Braten

800 g Kartoffeln
1 größere Rote Bete
1 TL Zucker
1 TL Kräuteressig
1-2 Tassen Milch
50 g Butter
1 Prise Pfeffer
Salz
½ Zitrone


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Die Rote Bete schälen und in feine Würfel schneiden. Die Würfel in einen kleinen Topf geben und mit Wasser knapp bedecken. Zucker, Essig, sowie eine Prise Pfeffer und eine Prise Salz hinzufügen und etwa 15 Minuten köcheln lassen. Nach einiger Zeit eventuell 1-2 EL Wasser ergänzen, falls es verdampft ist.

Die Kartoffeln kochen, pellen und durch eine Kartoffelpresse drücken.

In einem Topf die Butter mit 1 Tasse Milch erhitzen und die pürierten Kartoffeln sowie die Rote-Beete-Würfel und 2-3 EL ihres Kochwassers gut verrühren, am besten mit dem elektrischen Handmixer. Mit Salz abschmecken. Falls das Püree cremiger sein soll, noch etwas Milch hinzufügen. Warmstellen.

Die gewünschte Anzahl Fischstäbchen nach der Anweisung auf der Packung braten, mit Zitronenscheiben garnieren und zusammen mit dem rosa Kartoffelpüree servieren.

(Dazu paßt hervorragend ein frischer Gurkensalat.)


Erstveröffentlichung am 17. November 1997

27. Februar 2007